Zu viel Mitsprache privater Gläubiger bei der Lösung der Schuldenkrise in Griechenland abgelehnt Grüne fordern europäischen Bankenrettungsfonds

Die Grünen lehnen zu viel Mitsprache privater Gläubiger bei der Lösung der Schuldenkrise in Griechenland ab. "Genauso wenig wie die Banken haben die Ratingagenturen ein Interesse, das zu tun, was die europäische Politik gerne hätte", sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagfraktion, Gerhard Schick, der Onlineausgabe des Düsseldorfer "Handelsblatts".

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Grüne fordern europäischen Bankenrettungsfonds

Düsseldorf (dapd). Die Grünen lehnen zu viel Mitsprache privater Gläubiger bei der Lösung der Schuldenkrise in Griechenland ab. "Genauso wenig wie die Banken haben die Ratingagenturen ein Interesse, das zu tun, was die europäische Politik gerne hätte", sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagfraktion, Gerhard Schick, der Onlineausgabe des Düsseldorfer "Handelsblatts". Die europäischen Regierungen müssten sich vielmehr bei Griechenland endlich zu einer stabilen Lösung durchringen, die sie aus der Abhängigkeit der Ratingagenturen befreie.

Schick schlug die Schaffung eines europäischen Bankenrettungsfonds und sowie eine Umschuldung vor, bei der den Investoren das Angebot unterbreitet werden solle, alte griechische Anleihen zum aktuellen Marktwert gegen neue, durch den Rettungsfonds EFSF garantierte Anleihen umzutauschen. Das sichere die Refinanzierungssituation europäischer Banken und senke die Staatsschuld Griechenlands auf ein tragfähiges Niveau. "Wenn hingegen die Euro-Staats- und Regierungschefs weiter Politik nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner betreiben, riskieren sie einen unkontrollierten Staatsbankrott Griechenlands - mit Gefahren für das europäische Projekt insgesamt", sagte Schick.

Der Wirtschaftsexperte Lars Feld forderte einen raschen und echten Schuldenschnitt für Griechenland. "Im ersten Schritt muss die EU zunächst das europäische Bankensystem stabilisieren, um es auf den Ernstfall der Pleite Griechenlands vorzubereiten", sagte Feld der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht. "Wenn die Banken hinreichend gut refinanziert sind, ist es im zweiten Schritt möglich, Griechenland etwa die Hälfte seiner Schulden zu erlassen. Das muss schnell passieren, also spätestens im ersten Halbjahr 2012", forderte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

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