Schon in einem Monat ist es soweit: Dann zieht das Bundesverfassungsgericht für drei Jahre in eine ehemalige Kaserne in Karlsruhe. Denn in dieser Übergangszeit wird die denkmalgeschützte Gebäudegruppe am Stammsitz des Gerichts aufwendig saniert - für 44,2 Millionen Euro. "Am 21. Juli ziehen wir um", kündigte Gerichtssprecherin Judith Blohm jetzt an.
Bundesverfassungsgericht kurz vor dem Umzug
Karlsruhe (dapd-bwb). Schon in einem Monat ist es soweit: Dann zieht das Bundesverfassungsgericht für drei Jahre in eine ehemalige Kaserne in Karlsruhe. Denn in dieser Übergangszeit wird die denkmalgeschützte Gebäudegruppe am Stammsitz des Gerichts aufwendig saniert - für 44,2 Millionen Euro. "Am 21. Juli ziehen wir um", kündigte Gerichtssprecherin Judith Blohm jetzt an.
Am Dienstag konnten sich Journalisten schon mal ein Bild vom Übergangsquartier des Bundesverfassungsgerichts machen - dem "temporären Amtssitz" in der umgebauten General-Kammhuber-Kaserne in der Karlsruher "Waldstadt". Und auch vom dortigen neuen Sitzungssaal, in dem die Karlsruher Richter mündlich verhandeln und ihre Urteile verkünden werden.
Die Szenerie im alten Sitzungssaal ist Millionen Fernsehzuschauern vertraut: Auf einmal öffnet sich die Tür hinter der mächtigen Richterbank, die Richter in ihren roten Roben treten in den holzgetäfelten Sitzungssaal mit seinen riesigen Fenstern und nehmen unter dem riesigen, geschnitzten Bundesadler Platz.
Dieses Prozedere wird künftig in einem zwar weiterhin noblen, aber deutlich bescheidenerem Rahmen stattfinden. "Ach ist das klein hier", entfuhr es mehreren Medienvertretern bei der ersten Besichtigung des Saales. Denn der Raum, der früher einmal als Lehr- und Kinosaal der Kaserne genutzt wurde, fasst nur 120 Personen und damit höchstens die Hälfte des bisherigen Sitzungssaals.
"Das ist die gute Stube", umschrieb der Leitende Baudirektor Wolfgang Grether das neue Ambiente: Hellgrüner Teppichboden, eine bescheidene Richterbank aus hellem Birkenholz gegenüber einer geschwungenen weißen Presseempore und unter einer gestaffelten Decke.
Den größten Kontrastpunkt dürfte aber der kleine, helle Bundesadler hinter der Richterbank darstellen. Lange wurde diskutiert, ob man den Adler nicht aus der Birkenholzwand herausschnitzen sollte, doch eine "Laubsägearbeit" war dann doch nicht gewünscht. Dam kam man schließlich auf die Idee, den Bundesadler aus 2.360 Plastikröhrchen zu formen, die aus der Holzwand ragen und jeweils per LED von innen beleuchtet werden können - sobald die Richter den Saal betreten.
Insgesamt wurden in der ehemaligen Luftwaffen-Kaserne 4,7 Millionen Euro in den im März 2010 begonnenen Umbau zum Bundesverfassungsgericht investiert, sagt Grether. 82 Kilometer Kabel und 6.000 Quadratmeter neue Teppichböden seien verlegt worden.
In die renovierten Räume werden alle 16 Verfassungsrichter, ihre mehr als 60 wissenschaftlichen Mitarbeiter, das Vorzimmer-Personal, der Direktor, der Präsidialrat und die Pressestelle des Gerichts umziehen - also rund 120 Personen. Der eigentliche Umzug, bei dem auch rund 6000 Kartons mit Akten und Unterlagen transferiert werden müssen, soll ab dem 21. Juli in höchstens sechs Tage erledigt sein.
Am 27. Juli will das höchste deutsche Gericht dann an seinem neuen Übergangs-Amtssitz "arbeitsfähig" sein. Äußerlich steht dafür schon alles bereit: Denn am neu errichteten Eingangsbauwerk des Gerichts auf dem Ex-Kasernengelände prangt schon jetzt ein Bundesadler. Und darüber steht nur ein Wort: Bundesverfassungsgericht.
dapd
