Die ehrwürdige Ruperto Carola blickt zurück auf 625 Jahre Geschichte Deutschlands älteste Universität Heidelberg feiert

Wenn am Wochenende die Feiern zum 625 jährigen Jubiläum der Universität Heidelberg ihren Höhepunkt finden, dann wird viel von Tradition und Geschichte die Rede sein. Mit einem Festakt wird die Ruperto Carola am 25. Juni 2011 die vollständig sanierte und modernisierte Neue Universität wiedereröffnen. Dazu werden zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland erwartet.

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Deutschlands älteste Universität Heidelberg feiert

Heidelberg (dapd-bwb). Wenn am Wochenende die Feiern zum 625 jährigen Jubiläum der Universität Heidelberg ihren Höhepunkt finden, dann wird viel von Tradition und Geschichte die Rede sein. Mit einem Festakt wird die Ruperto Carola am 25. Juni 2011 die vollständig sanierte und modernisierte Neue Universität wiedereröffnen. Dazu werden zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland erwartet, insbesondere Freunde, Förderer und Ehemalige - die Alumni - aus aller Welt.

"Natürlich spielt die lange Tradition wissenschaftlicher Forschung eine große Rolle für das Selbstverständnis der Universität", sagt Universitätsrektor Bernhard Eitel. Das, was die Universität heute sei, das baue auf dem auf, was die Altvorderen geschaffen haben. "Das außergewöhnliche an Heidelberg ist aber die Vielfalt wissenschaftlicher Forschung", betont der Rektor, der für die zwölf Fakultäten der Elite-Uni verantwortlich ist. Ungefähr 28.000 Studenten sind momentan eingeschrieben, 15.000 Mitarbeiter arbeiten an Deutschlands ältester Hochschule.

Bisher haben 55 Wissenschaftler, deren Lebensläufe mit der Universität oder der Stadt Heidelberg verbunden sind, den Nobelpreis erhalten. Renommierte Mediziner arbeiten am Universitätsklinikum oder am Deutschen Krebsforschungszentrum, das eng mit der Universität zusammenarbeitet.

Hier hielten Gelehrte wie die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Jaspers oder Hans-Georg Gadamer ihre Vorlesungen; berühmte Naturwissenschaftler, wie der spätere Nobelpreisträger für Chemie, Fritz Haber, haben an Deutschlands ältester Uni studiert. Oder sie haben als Professor die Studenten ausgebildet, wie beispielsweise der Nobelpreisträger für Medizin im Jahr 2008, Harald zur Hausen.

Auch Lyriker, wie Joseph von Eichendorff, Hilde Domin oder Carl Zuckmayer und Komponisten wie Robert Schumann erhielten in Heidelberg ihre wissenschaftliche Ausbildung. Einheitskanzler Helmut Kohl studierte Geschichte an der Ruperta Carola, die heutige Generalbundesanwältin Monika Harms absolvierte hier ihr Jurastudium.

Philosophin Hannah Arendt, Tochter jüdischer Eltern, sowie der Sozialpsychologe Erich Fromm studierten in der altehrwürdigen Universität genauso wie der frühere RAF-Terrorist Christian Klar oder Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels.

Auch der Träger des Friedensnobelpreises von 1909, der belgische Jurist Auguste Beernaert, und die berühmte russische Mathematikerin Sofja Kovalevskaja waren in Heidelberg eingeschrieben.

Weniger durch ihre wissenschaftlichen Leistungen als mit einer Plagiats-Affäre hat jüngst die FDP Politikerin Silvana Koch-Mehrin die Universität Heidelberg in die Schlagzeilen gebracht. Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät hat nach gründlicher Prüfung beschlossen, Koch-Mehrin den Doktortitel zu entziehen.

Auch wenn die blamierte FDP-Politikerin sich als Opfer einer Kampagne wähnt, Rektor Eitel betont, dass das formale Vorgehen korrekt war und sich nach der Promotionsordnung gerichtet hat. Fälschungen und Plagiate gebe es, seit Wissenschaft betrieben wird, allerdings müssten Plagiate und Fälschungen dann auch benannt werden. "Schließlich ist Wissenschaft nichts anderes als die Suche nach Wahrheit", sagt Eitel.

Indes werden für die universitäre Wahrheitssuche auch finanzielle Mittel benötigt. Seit 1997 wurden die Grundhaushalte des Landes für die Hochschulen nicht erhöht, weshalb der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, Horst Hippler, Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie, das Land Baden-Württemberg ermahnt, den wissenschaftlichen Ruf - nicht nur der Universität Heidelberg - mit mehr Geld zu stärken. "Ohne eine ausreichende Grundfinanzierung, die vom Land kommen muss, kann sich keine Universität im internationalen Wettbewerb behaupten."

Allerdings steht das Thema Geld nicht auf dem Programm der Feierlichkeiten am Wochenende, zu der auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) in Heidelberg erwartet werden.

dapd