70 Versorger erhöhen Preise im Juli und August um durchschnittlich zehn Prozent Erdgas wird für jeden zehnten Haushalt teurer

Die Preisspirale beim Erdgas dreht sich weiter: Im Juli und August erhöhen etwa 70 Versorger die Preise um durchschnittlich mehr als zehn Prozent. Betroffen sind zwei Millionen Haushalte, wie die Verbraucherportale Check24.de und Toptarif.de am Dienstag mitteilten. Damit müsste jeder zehnte Gaskunde mehr zahlen.

Erdgas wird für jeden zehnten Haushalt teurer

Berlin (dapd). Die Preisspirale beim Erdgas dreht sich weiter: Im Juli und August erhöhen etwa 70 Versorger die Preise um durchschnittlich mehr als zehn Prozent. Betroffen sind zwei Millionen Haushalte, wie die Verbraucherportale Check24.de und Toptarif.de am Dienstag mitteilten. Damit müsste jeder zehnte Gaskunde mehr zahlen.

"Ein vierköpfiger Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas muss sich im Rahmen der kommenden Preisrunde auf Mehrkosten von durchschnittlich 133 Euro, in der Spitze sogar von bis zu 275 Euro einstellen", sagte Daniel Dodt von Toptarif.de. So werde der Gasbezug zum 1. Juli unter anderem in München, Nürnberg und Gelsenkirchen zwischen 8,1 und 13,7 Prozent teurer. Im August zögen weitere Anbieter nach.

In der Spitze würden die Preise um 18,1 Prozent oder 276 Euro im Jahr angehoben, berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Auswertung von Check24.de. Die Preisänderungen sind nach Angaben von Toptarif.de allerdings sehr uneinheitlich. Während sich die Tarife auf der einen Seite bei 29 Grundversorgern im zweistelligen Prozentbereich verteuerten, gebe es bei der Energieversorgung Beckum und der Gasversorgung Unterfranken sogar Preisnachlässe.

Die Versorger begründen die Anhebungen mit spürbaren Erhöhungen ihrer Beschaffungskosten, die unter anderem aus dem jüngsten Anstieg der Ölpreise resultieren. Seit Februar waren die Preise für Rohöl aufgrund der Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten, aber auch wegen der wachsenden Nachfrage im Zuge des weltweiten wirtschaftlichen Aufschwungs stark gestiegen.

Gerade in langfristigen Lieferverträgen, über die noch viele Versorger den Großteil ihres Gasbedarfs decken, ist die Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis nach wie vor ein entscheidender Faktor. Bei der sogenannten Ölpreisbindung folgt der Gaspreis den Entwicklungen beim Öl in einem Abstand von etwa sechs Monaten.

"Angesichts des anhaltenden Hochs bei den Ölpreisen müssen Verbraucher auch in den kommenden Monaten und gerade zu Beginn der Heizperiode im Oktober mit weiteren Preiserhöhungen rechnen", sagte Dodt. "Allerdings stehen die Chancen recht gut, dass die derzeitige Ölpreisentwicklung nicht in vollem Maße auf die Gaskunden durchschlägt. So nimmt die kurzfristige Beschaffung von Gas an den Großhandelsmärkten, wo sich Anbieter zu erheblich günstigeren Konditionen eindecken können, immer mehr zu."

Eine Möglichkeit, den steigenden Gaskosten zu entgehen, ist der Wechsel zu einem neuen Anbieter. Für einen vierköpfigen Haushalt ergeben sich nach Angaben der Verbraucherportale oft mögliche Einsparungen von 250 bis 350 Euro im Jahr, wenn die Entscheidung für einen günstigen Wettbewerber fällt, auch ohne die Berücksichtigung von Vorauskasse- und Kautionsprodukten.

dapd