Neue Spekulationen über künftigen Oberhirten - Ernennung vor Papstbesuch gilt als sicher Berliner Bischofsraten

Die Zeit wird langsam knapp: Um den Wunsch des Erzbistums Berlin zu erfüllen, bis zum Papstbesuch im September einen neuen Oberhirten zu haben, muss der Nachfolger des zurückgetretenen Kardinals Georg Sterzinsky binnen weniger Wochen benannt werden.

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Berliner Bischofsraten

Berlin/Regensburg (dapd). Die Zeit wird langsam knapp: Um den Wunsch des Erzbistums Berlin zu erfüllen, bis zum Papstbesuch im September einen neuen Oberhirten zu haben, muss der Nachfolger des zurückgetretenen Kardinals Georg Sterzinsky binnen weniger Wochen benannt werden.

An Namen, die in den Medien gehandelt werden, mangelt es nicht: Während die "Frankfurter Rundschau" den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller als "heißen Kandidaten" sieht, ist laut "Passauer Neuer Presse" die Wahl bereits auf Berlins Weihbischof Matthias Heinrich gefallen, der die Erzdiözese übergangsweise leitet.

Das Erzbistum Berlin gibt sich bedeckt. "Wir kommentieren solche Berichte nicht", sagt Bistumssprecher Stefan Förner. Es ist Usus in der Kirche, sich an Personalspekulationen nicht zu beteiligen. Die Bekanntgabe des Namens eines neuen Bischofs folgt stets demselben Muster: Die Ernennung wird zeitgleich im Vatikan und im jeweiligen Bistum verkündet.

Kandidaten ohne Mehrheit

Papst Benedikt XVI. hatte im Februar das Rücktrittsgesuch des schwer kranken Sterzinsky angenommen. Schon seit Monaten werden diverse deutsche Bischöfe als mögliche Nachfolger gehandelt. Die "Frankfurter Rundschau" will nun erfahren haben, dass es im Vatikan Bestrebungen gebe, den Weg für Müller freizumachen. Der Regensburger Bischof habe sich vergangene Woche aus nicht näher genannten Gründen in Rom aufgehalten.

Zuvor hatte es das Berliner Domkapitel dem Bericht zufolge in mehreren Anläufen nicht geschafft, sich mit absoluter Mehrheit auf einen Kandidaten zu verständigen. Weder Weihbischof Heinrich noch die Bischöfe Franz-Josef Overbeck (Essen) und Ludwig Schick (Bamberg) hätten die erforderlichen Stimmen erhalten.

Müller regelmäßig in Rom

Der Regensburger Bistumssprecher Clemens Neck reagiert mit einem Scherz auf die neuen Spekulationen: Er könne sicher sagen, wann Müller nach Berlin gehe. "Das ist am 22. September, dann ist auch der Papst da." Denn das Bistum Regensburg organisiert eine große Pilgerfahrt zum Papstbesuch nach Berlin.

Die Entscheidung über den Erzbischof aber träfen das Domkapitel in Berlin und der Vatikan, stellt der Sprecher klar. Die Diözese Regensburg werde dabei nicht mit einbezogen. Aus einem Rom-Besuch Müllers lässt sich laut Neck jedenfalls nichts ableiten: "Der Bischof ist als Mitglied der Glaubenskongregation regelmäßig in Rom, das gehört zu seinen Aufgaben."

Obwohl Benedikt XVI. den Regensburger Bischof sehr schätzt und ihn mit der Herausgabe seiner Gesammelten Schriften beauftragt hat, wäre eine Ernennung Müllers zum Berliner Erzbischof eine Überraschung - und auch ein Risiko. Müller ist zwar ein angesehener Theologe, zählt aber auch zu den Lieblingsgegnern liberaler Gruppen in der Kirche. Seine Ernennung würde einen Wirbel auslösen, an dem kurz vor dem Papstbesuch dem Vatikan eigentlich nicht gelegen sein kann.

Zeitung: Entscheidung gefallen

Nach Informationen "Passauer Neue Presse" (Dienstagausgabe) soll es ursprünglich zwar Überlegungen gegeben haben, Müller auf die Kandidatenliste zu setzen. Dies sei aber "nicht mehr Gegenstand des aktuellen Vorschlags", zitiert das Blatt Kirchenkreise. Derzeit stünden auf der Liste die Namen von Weihbischof Heinrich, des Bamberger Erzbischofs Schick und seines Limburger Amtsbruders Franz-Peter Tebartz-von Elst. Die Entscheidung soll sogar bereits gefallen sein: "Es wird auf Weihbischof Matthias Heinrich hinauslaufen."

Endgültig beenden kann die Spekulationen erst eine Ernennungsurkunde aus dem Vatikan. Dass diese noch vor der Ankunft des Papstes in Berlin veröffentlich wird, gilt in Kirchenkreisen als "sicher". Benedikt XVI. beginnt am 22. September in Berlin seinen viertägigen Deutschlandbesuch.

(Im letzten Satz des 8. Absatzes wurde das fehlende Wort "nicht" eingefügt: "...einen Wirbel auslösen, an dem kurz vor dem Papstbesuch dem Vatikan eigentlich nicht (rpt nicht) gelegen sein kann".)

dapd