RWE-Chef Großmann fordert mehr "Umsicht" von der Politik NRW-Konzernchefs sehen Wirtschaft bei Energiewende übergangen

Die Chefs führender Industriekonzerne in Nordrhein-Westfalen sehen die Wirtschaft bei der von der Politik angekündigten Energiewende übergangen. "Es scheint, als wolle die Politik alles unter sich ausmachen", sagte der Vorsitzende des Spezialchemie-Konzerns Evonik, Klaus Engel, in einer Diskussionsrunde zum Thema am Montagabend in Essen. Alle Weichen seien an der Industrie vorbei gestellt worden.

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NRW-Konzernchefs sehen Wirtschaft bei Energiewende übergangen

Essen (dapd). Die Chefs führender Industriekonzerne in Nordrhein-Westfalen sehen die Wirtschaft bei der von der Politik angekündigten Energiewende übergangen. "Es scheint, als wolle die Politik alles unter sich ausmachen", sagte der Vorsitzende des Spezialchemie-Konzerns Evonik, Klaus Engel, in einer Diskussionsrunde zum Thema am Montagabend in Essen. Alle Weichen seien an der Industrie vorbei gestellt worden.

Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft sei die Grundlage des Wohlstands in Deutschland und dürfe durch die Energiewende nicht gefährdet werden. Die Industrie sei bereit, sich der Herausforderung zu stellen, betonte Engel. Doch könne keine Partei für sich in Anspruch nehmen, die Antwort auf die aufkommenden Fragen zu haben.

Auch der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann, mahnte bei der Politik mehr "Umsicht" an. Beim Wechsel hin zu erneuerbaren Energien müsse sichergestellt werden, dass auch künftig permanent verfügbarer und bezahlbarer Strom fließe. Der RWE-Chef sagte, die Industrie brauche Kraftwerke, die bei jedem Wetter Strom lieferten. Ein eintägiger Stromausfall im Winter würde in ganz Deutschland Kosten von 30 Milliarden Euro verursachen.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger sagte, die Energiewende sei für die deutsche Industrie eine große Herausforderung "mit vielen Unbekannten". Deshalb dürfe bei der Umstellung auf erneuerbare Energien die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht beispielsweise durch steigende Energiepreise gefährdert werden. "Die Industrie braucht verlässliche Kriterien", betonte Hiesinger.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) merkte an, die Energiewende sei eine "einmalige Chance" für das Ruhrgebiet. Der Wandel hin zur Unabhängigkeit von Atomenergie und fossilen Energieträgern bedeute keine "De-Industrialisierung", sondern sei im Gegenteil eine "Re-Industrialisierung", die für die Region ganz neue Wettbewerbschancen eröffne.

dapd