Verdächtiger laut Bundesanwaltschaft mutmaßliches Mitglied der Gruppe "Deutsche Taliban Mujahideen" In Wien gefasster Islamist nach Deutschland überstellt

Der in Wien festgenommene Islamist Yusuf O. ist am Montagmorgen zur Strafverfolgung nach Deutschland überstellt worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Der 26 Jahre alte deutsche Staatsangehörige sei dringend verdächtig, sich ab Ende September 2009 als Mitglied an der Terrorgruppe "Deutsche Taliban Mujahideen" (DTM) beteiligt zu haben.

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In Wien gefasster Islamist nach Deutschland überstellt

Karlsruhe/Berlin (dapd). Der in Wien festgenommene Islamist Yusuf O. ist am Montagmorgen zur Strafverfolgung nach Deutschland überstellt worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Der 26 Jahre alte deutsche Staatsangehörige sei dringend verdächtig, sich ab Ende September 2009 als Mitglied an der Terrorgruppe "Deutsche Taliban Mujahideen" (DTM) beteiligt zu haben.

Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft ist die DTM im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aktiv und verübt Anschläge auf afghanische und pakistanische Truppen sowie auf die internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF.

Yusuf O. wurde bereits am 31. Mai 2011 in Wien festgenommen und befand sich seither in Österreich in Haft. Rechtsgrundlage hierfür war ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 25. März 2011. Am Montag wurde Yusuf O. dem Ermittlungsrichter des BGH vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete.

Der 26-Jährige soll im Mai 2009 von Deutschland aus in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gereist sein und sich spätestens Ende September 2009 der DTM angeschlossen haben. Er soll an Sprengstoff und Schusswaffen ausgebildet worden sein. Zudem sei er in Propagandavideos der DTM aufgetreten.

Einem Zeitungsbericht zufolge nannte sich der Islamist dabei "Ayyub al-Almani". Im September 2009 habe er direkt mit Anschlägen in deutschen Großstädten gedroht. Deutsche Sicherheitsbehörden nannten seinen Videoauftritt damals "das konkreteste Drohvideo, das sich je gegen Deutschland richtete", wie die "Berliner Morgenpost" berichtete.

Laut Bundesanwaltschaft soll sich Yusuf O. Anfang 2011 entschlossen haben, in Europa neue Mitglieder und Unterstützer für die Terrorgruppe anzuwerben. So soll er im Mai 2011 in Budapest den Islamisten Maqsood L. beauftragt haben, von ihm ausgewählte Personen in Berlin für eine Teilnahme am militanten Dschihad oder für eine finanzielle Unterstützung der terroristischen Organisation zu gewinnen. Der 21-jährige Maqsood L., der österreichischer Staatsangehöriger ist, war am 16. Mai in Berlin verhaftet worden.

Der Sprecher des österreichischen Innenministeriums, Rudolf Gollia, sagte am Montag, dass Yusuf O. auch Kontakt zu einem weiteren österreichischen Beschuldigten hatte - dem 25-jährigen Thomas Al J., der in der vergangenen Woche in Wien verhaftet wurde. Gollia sagte, dass untersucht werde, ob Al J. Anschläge in Deutschland geplant habe, darunter auch eine mögliche Flugzeug-Attacke auf den Berliner Reichstag. Gollia sagte, die Pläne seien "nicht sehr konkret" gewesen. Am Wochenende hatte die österreichische "Kronen-Zeitung" gemeldet, dass Thomas Al J. schon monatelang am Flugsimulator für einen solchen Anschlag geübt haben soll.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte am Montag, Vorwürfe, wonach der Mann im Flugsimulator den Angriff auf den Reichstag übte, könnten von Berlin aus noch nicht verifiziert werden. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hatte am Wochenende mit Blick auf die Festnahmen der österreichischen Gruppe erklärt: "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für konkrete Vorbereitungen eines Anschlags in Deutschland."

dapd