Der internationale Vergleich sorgt regelmäßig für Diskussionen

Mehr Schüler an Hochschulen?
PRO Handwerk hat goldenen Boden, weiß der Volksmund. Stimmt, und Deutschland kann zu recht stolz sein auf die ausgezeichneten Schmiedemeister, Elektrotechniker oder Optikerinnen, die es hervorbringt. An Fachschulen ausgebildet, zählen sie nach internationalen Standards zu den Hochqualifizierten - und das selbst ohne akademischen Grad.
Leider aber sind die Zeiten, da Deutschland mit seinen Hochqualifizierten den globalen Talentpool entscheidend bereichert hat, vorbei. Unter den Älteren stellen wir noch 6,3 Prozent der Top-Kräfte in den Industrieländern. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es nur noch halb so viele.
Das liegt zum einen an der rasanten Entwicklung von Ländern wie China oder Indien. Aber auch daran, dass sich in Deutschland bei der so genannten tertiären Bildung seit 50 Jahren nicht viel getan hat: Jeder vierte junge Erwachsene erwirbt bei uns einen Hoch- oder Fachschulabschluss beziehungsweise einen Meisterbrief. In Kanada, Japan oder Korea ist es gut jeder zweite. Im globalen Wettbewerb können wir also immer weniger punkten.
Dabei haben Hochqualifizierte viele Vorteile: Sie sind seltener arbeitslos und verdienen 24 (Meister/Techniker) bis 68(Akademiker) Prozent mehr als Menschen mit niedrigeren Abschlüssen. Umfragen zufolge sind sie sogar zufriedener. Außerdem bilden sie das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.
Deshalb brauchen wir ein Bildungssystem, das es dem Kfz-Mechaniker ermöglicht, später auch Ingenieur werden zu können - und wir tun hierzulande gut daran, ihn zu diesem Schritt zu ermuntern.;
CONTRA Deutschland braucht beides: Meister und Master! Die immer wiederkehrende Aussage, wonach es hierzulande zu wenig Akademiker gibt, verkennt völlig den einzigartigen Stellenwert unserer beruflichen Bildung. Viele Abschlüsse, die in anderen Ländern nur über eine akademische Ausbildung möglich sind, können in Deutschland über eine hochwertige berufliche Aus- und Weiterbildung erreicht werden. Unsere hochqualifizierten Fachkräfte sind das Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Dafür beneidet uns das Ausland. Dieses System leistet zudem einen entscheidenden Beitrag zur gesellschaftlichen Stabilität. Die im internationalen Vergleich niedrige Jugendarbeitslosigkeitsquote ist hierfür ein eindrucksvoller Beleg.
Unser Bildungssystem steht vor einem Paradigmenwechsel. Mit der Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens wird künftig „zählen“, was eine Person kann, und nicht mehr, in welchem Teil des Bildungssystems die Kompetenzen erworben wurden. Kompetenzen werden künftig in einem europaweit geltenden achtstufigen Qualifikationsrahmen abgebildet, Kompetenzen der beruflichen Weiterbildung und der akademischen Bildung zum Beispiel auf Niveau 6 der Meister also auf einem Niveau mit dem Bachelor. Damit wäre die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung schwarz auf weiß festgeschrieben - welch ein Quantensprung! In Zukunft muss es daher nicht mehr heißen: mehr Akademiker, sondern: mehr Menschen mit Qualifikationen auf den Niveaustufen 5 bis 8.