Konjunktur Privater Konsum hält Wachstum aufrecht

Deutschland, Europa und die Welt – überall sind die Konjunkturerwartungen zurückgegangen. Experten sehen für das laufende und das kommende Jahr eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Ein Rettungsanker ist der private Konsum.

Wachstumstreiber ist und bleibt der private Konsum. Foto: Joachim Wendler/Fotolia

Privater Konsum hält Wachstum aufrecht

Wie andere Wirtschaftsforschungsinstitute zuvor hat auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) seine Prognose für 2011 und 2012. In diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,0 Prozent zulegen, 2012 soll sich das Wachstumstempo dann aber um mehr als die Hälfte verringern auf 1,25 Prozent, erklärte Institutschef Michael Hüther bei der Vorstellung der aktuellen IW-Konjunkturprognose.

Im Frühjahr waren die Experten noch von einem Anstieg des BIP um 3,5 Prozent in diesem Jahr ausgegangen. Für das nächste Jahr lag die Prognose des IW bislang bei 2,25 Prozent. Maßgeblich für die gedämpften Erwartungen sind die Turbulenzen an den Finanzmärkten in Folge der Staatsschuldenkrise in Europa.

Hohe Unsicherheit prägt den Euroraum

Aus diesem Grund sind auch die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im September weiter zurückgegangen. Der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen ergab für die Eurozone im September ein Minus von 4,6 Zählern gegenüber August und liegt nun bei minus 44,6 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verschlechterte sich um 8,8 Punkte auf minus 27,9 Zähler.

Die künftige Konjunkturentwicklung sei von hoher Unsicherheit geprägt, was sich aus Sicht der Finanzmarktexperten in der Stimmung von Investoren und Konsumenten bemerkbar mache, warnte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Die Schere geht weiter auseinander

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet 2011 und 2012 eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums, aber keine Rezession. Demnach wird das Wachstum der Industrieländer von 3,1 Prozent 2010 auf 1,6 Prozent 2011 sinken und immerhin 1,9 Prozent 2012 betragen. Das ist eine Korrektur der Werte um 0,6 beziehungsweise 0,7 Prozentpunkte nach unten. Die Schere geht dabei weiter auseinander: Die Schwellenländer sollen weiter kräftig wachsen, nach 7,3 Prozent noch mit 6,4 und 6,1 Prozent 2012.

Für Deutschland erwartet der IWF nach einem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent 2010 in diesem Jahr 2,7 Prozent und im kommenden Jahr nur noch 1,3 Prozent. Die Eurozone ist nahe dem Stillstand, nach plus 1,8 Prozent 2010 in diesem Jahr plus 1,6 Prozent und noch plus 1,1 Prozent 2012.

Besonders stark nach unten verändert wurde die Prognose für die USA. Sie sollen nach 3,0 Prozent 2010 in diesem Jahr noch um 1,5 Prozent wachsen und im kommenden Jahr um 1,8 Prozent. Das ist eine Verringerung um 1,0 beziehungsweise 0,9 Prozentpunkte.

Einbrüche beim Außenhandel

Die Erwartungen der Kölner Ökonomen vom Institut der deutschen Wirtschaft zeigen im Detail, dass vor allem der deutsche Außenhandel einen Dämpfer hinnehmen muss. Er wird demnach 2012 um nur noch 3,0 Prozent wachsen soll, nach 8,0 Prozent in diesem Jahr. Die Importe sollen 2012 ebenfalls um 3,0 Prozent zulegen, nach 7,5 Prozent in 2011.

Ein wichtiger Wachstumstreiber bleibe trotz Teuerung und höherer Sparneigung der Verbraucher der private Konsum. Bei den Investitionen rechnen die Experten mit einem Plus von 9,0 Prozent in diesem Jahr - einer Umfrage zufolge wird damit der Höhepunkt erreicht. 2012 soll die Investitionsneigung der Unternehmen dann spürbar nachlassen; das IW geht von einem Plus von rund 3,0 Prozent aus.

Die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr um gut 1,0 Prozent auf 41 Millionen ansteigen, die Arbeitslosenzahl damit weiter knapp unter der Drei-Millionen-Grenze liegen. Im Jahresdurchschnitt 2012 seien etwa 2,8 Millionen Menschen ohne Job zu erwarten, hieß es.

Sollten sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten weiter zuspitzen, sei ein Abgleiten in die Rezession laut IW zwar nicht auszuschließen, ein Konjunkturabschwung sei aber dennoch nicht wahrscheinlich. Dafür sorgten Impulse aus aufstrebenden Schwellenländern wie China, die kräftig in Deutschland einkauften.

dapd