Zulieferer im kräftigen Aufwind

Branchenspiegel: Investitionsgüter stark gefragt, Kfz-Gewerbe gibt weiter Gas

Von Andreas Bücherl und Lothar Semper

Der Werkzeug- und Maschinenbau hat 2010 eine fulminante Aufholjagd hingelegt. Auch für 2011 sind die Aussichten positiv.Foto: imago

Zulieferer im kräftigen Aufwind

Baugewerbe: Die Bauwirtschaft hat 2010 wieder die Wachstumszone erreicht. Laut dem Statistischen Bundesamt haben sich die Bauinvestitionen um 2,8 Prozent erhöht. Für 2011 rechnet das Wirtschaftsministerium mit einer weiteren Zunahme um 1,7 Prozent.

Maßgeblich getragen wird der Aufwärtstrend vom Wohnungsbau, auf den knapp 60 Prozent der gesamten Bauaktivitäten entfallen. Dafür sprechen die weiterhin sehr niedrigen Hypothekenzinsen sowie die positive Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung. Neben der steigenden Neubautätigkeit werden den Wohnungsbau auch energetische Sanierungsmaßnahmen und der zunehmende Modernisierungsbedarf stimulieren. Von der wachsenden Bedeutung der Bestandsinvestitionen profitiert das Ausbauhandwerk. Im gewerblichen Bau dürfte der Erholungskurs fortschreiten. Wesentliche Gründe hierfür sind die günstigen Konjunkturaussichten und die steigende Kapazitätsauslastung in den Unternehmen. Beim öffentlichen Bau zeichnet sich mit dem Auslaufen der Konjunkturpakete ein Umsatzrückgang ab, wenngleich noch Projekte aus den Förderprogrammen realisiert werden. Auch die Finanzlage der Kommunen bleibt angespannt und wirkt investitionsbremsend.

Handwerk für gewerblichen Bedarf: Nach dem Krisenjahr 2009 startete der Maschinen- und Werkzeugbau 2010 eine fulminante Aufholjagd und erreichte ein Produktionsplus von knapp 9,0 Prozent. Auch für 2011 ist die Branche optimistisch gestimmt. Der Jahresauftakt war vielversprechend, so dass der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) inzwischen mit einem Produktionszuwachs von 10,0 Prozent rechnet.

Ein wesentlicher Teil dieses Anstiegs gilt wegen eines sogenannten „statistischen Überhangs“ bereits als gesichert. Im weiteren Jahresverlauf werden sowohl Impulse aus dem Ausland als auch ein Schub durch die Binnenkonjunktur erwartet. Angesichts des anhaltenden Aufschwungs planen die Unternehmen, in diesem Jahr zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Sorgen bereiten der Branche derzeit die Unsicherheiten auf den Rohstoffmärkten. Die Gebäudereiniger werden infolge der expandierenden Industriekonjunktur ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Im Handwerk für Landmaschinentechnik stehen die Konjunkturampeln weiter auf Grün. Die deutschen Bauern beabsichtigen nämlich wegen der verbesserten Einkommensperspektiven die Investitionsausgaben für landwirtschaftliche Maschinen zu erhöhen.

Kraftfahrzeuggewerbe : Der Neuwagenmarkt ist nach der Sonderentwicklung 2009 im vergangenen Jahr erwartungsgemäß geschrumpft. Allerdings war bereits im 4. Quartal 2010 eine spürbare Erholung des Neuwagenabsatzes festzustellen, die sich nach dem Jahreswechsel fortgesetzt hat. So wurden in den ersten beiden Monaten dieses Jahres rund 16 Prozent mehr neue Autos angemeldet als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Für das Gesamtjahr 2011 prognostiziert der Verband der Automobilindustrie (VDA) einen Anstieg der Pkw-Neuzulassungen um 6,0 Prozent auf 3,1 Millionen, das Car-Center Automotive Research kalkuliert sogar mit 3,25 Millionen Einheiten. Getragen wird die Aufwärtsbewegung zum einen von der privaten Nachfrage, da sich die Jobsicherheit und die Einkommensaussichten verbessert haben. Zum anderen werden auch die gewerblichen Autokäufe dank des freundlichen Investitionsklimas zunehmen. Dämpfungseffekte könnten in nächster Zeit von den rekordverdächtigen Spritpreisen ausgehen. Das Gebrauchtwagengeschäft dürfte nach der lebhaften Entwicklung im Vorjahr in etwas ruhigeren Bahnen verlaufen. Die Zahl der Besitzumschreibungen sollte aber zumindest wieder die Vorjahreshöhe von 6,2 Millionen erreichen. Im Servicebereich zeichnet sich eine leichte Umsatzsteigerung ab, wenngleich die Autobesitzer nach wie vor versuchen, die Werkstattbesuche hinauszuzögern.

Lebensmittelhandwerke: Im Jahr 2010 verbuchten die Bäcker und Metzger eine stabile Verkaufstätigkeit. 2011 wird die anziehende Verbrauchskonjunktur die Geschäftsentwicklung der beiden Branchen begünstigen. Dieser anregende Einfluss geht allerdings mit verschiedenen Negativeffekten einher. So sind die Betriebe aufgrund der nach oben geschnellten Preise für Agrarrohstoffe sowie für die Energieträger aus betriebswirtschaftlichen Gründen gezwungen, ihre Verkaufspreise anzuheben. Sie werden aber die Kostensteigerungen wahrscheinlich nicht in vollem Umfang weitergeben können: Die Kundennachfrage würde zu stark belastet. Zudem sind Preisanhebungen angesichts des scharfen Wettbewerbs nur sehr begrenzt möglich. Insbesondere die Discounter und Billiganbieter versuchen, durch eine weiterhin sehr aggressive Preispolitik zusätzliche Marktanteile zu gewinnen. Insgesamt dürfte die Umsatzkurve der Bäcker und Metzger im laufenden Jahr leicht ansteigen. Auf dem Biermarkt wird der Abwärtstrend vermutlich anhalten. Erhebliche Probleme bereiten den Brauereien neben dem sinkenden Konsum die Kostenexplosion bei Braugerste und Malz sowie der Preiskampf im Handel.

Handwerk für privaten Bedarf: Die Gesundheitshandwerke erreichten 2010 ein bescheidenes Umsatzplus von knapp 2,0 Prozent. Für das Jahr 2011 zeichnet sich eine Fortsetzung des moderaten Aufwärtstrends ab. Stützend wirken die anhaltende Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt und die größere Kaufbereitschaft der Privathaushalte. Zudem wird aufgrund der demografischen Entwicklung die Nachfrage nach gesundheitshandwerklichen Leistungen zunehmen. Hinzu kommt, dass der rasante technische Fortschritt sowohl die Anwendungsmöglichkeiten der verordneten Hilfsmittel und -geräte erweitert als auch deren Akzeptanz bei den Patienten erhöht. Die Friseure hoffen, dieses Jahr ebenfalls von der Belebung der Verbrauchskonjunktur profitieren zu können. Zahlreiche Betriebe haben jedenfalls durch neue Salonkonzepte und einer erweiterten Servicepalette wichtige Voraussetzungen hierfür geschaffen.