Konjunkturtendenzen 2011 Belebung auf breiter Front

Deutlich positivere Signale als zuletzt senden die deutschen Handwerksbetriebe laut den Konjunkturtendenzen der Deutschen Handwerks Zeitung. Sie erwarten für das Jahr 2011 einen Umsatzanstieg "um wenigstens 2,5 Prozent".

Im Handwerk funkt es im Jahr 2011. Foto: dapd

Belebung auf breiter Front

Das Handwerk hat 2010 nach dem drastischen Konjunktureinbruch die wirtschaftliche Trendwende geschafft, wobei der Aufschwung mittlerweile alle Branchen des Handwerks erreicht hat. Damit kann sich die Konjunkturerholung im Jahr 2011 auf eine breite Basis stützen. Das Baugewerbe bleibt dank der steigenden Produktionszahlen im Wohnungs- und im gewerblichen Bau auf Wachstumskurs. Die Zulieferer werden ihre Aufholjagd fortsetzen. Im Kraftfahrzeuggewerbe geht es nach der letztjährigen Durststrecke wieder aufwärts. Schließlich dürften die konsumnahen Branchen an der prognostizierten Belebung der Verbrauchskonjunktur partizipieren. Alles in allem sollte das Handwerk in diesem Jahr den Umsatz um zumindest nominal 2,5 Prozent ausweiten können. Auch die Beschäftigtenzahl dürfte leicht zunehmen, und zwar um 0,5 Prozent.

Die Beschäftigung zeigte im Jahresverlauf 2010 ansteigende Tendenz. Für den Jahresdurchschnitt ergab sich allerdings noch ein leichter Rückgang. Die Beschäftigungsperspektiven für den Prognosezeitraum sind vergleichsweise günstig. Erstens ist es zu Jahresbeginn dank der gemäßigten Witterungsverhältnisse zu keinen größeren Entlassungen gekommen. Vielmehr könnte der Frühjahrsaufschwung im Baugewerbe von Nachholeffekten profitieren, da durch den frühen und heftigen Wintereinbruch im Dezember 2010 zahlreiche Bauarbeiten vorübergehend eingestellt werden mussten. Zweitens sollte die anhaltende gesamtwirtschaftliche Konjunkturerholung auch die Personalentwicklung im Handwerk positiv beeinflussen. Vor allem das Ausbaugewerbe wird aufgrund der weiter steigenden Nachfrage und der hohen Kapazitätsauslastung seine Belegschaft aufstocken. Auch die Zulieferer und die unternehmensnahen Dienstleister sowie das Kfz-Handwerk dürften dieses Jahr ihre Mitarbeiterzahl erhöhen. Allerdings wird es für die Handwerksbetriebe immer schwieriger, geeignetes Personal zu bekommen. In einigen Branchen entwickelt sich der Fachkräftemangel allmählich zur Wachstumsbremse. Insgesamt dürfte der Personalbestand im Handwerk 2011 jahresdurchschnittlich um etwa 0,5 Prozent zunehmen.

Die Umsätze begannen sich seit dem Frühjahr 2010 von dem Konjunktureinbruch zu erholen und erreichten auf das ganze Jahr gesehen wieder ein leichtes Plus von knapp einem Prozent. 2011 wird der Aufwärtstrend anhalten und dabei an Breite und Stabilität gewinnen. Denn die gesamtwirtschaftlichen Auftriebskräfte verlagern sich zunehmend auf den Binnenmarkt und dürften damit allen Handwerksgruppen Impulse verleihen. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Belebung wird jedoch von Branche zu Branche sehr unterschiedlich ausfallen: Mit deutlichen Umsatzzuwächsen können die Zulieferer rechnen. Zum einen gibt es bereits zu Jahresbeginn recht hohe Auftragsbestände, die nun sukzessive abgearbeitet und umsatzwirksam werden. Zum anderen sollen die Bestellungen für Ausrüstungsgüter weiterhin kräftig zulegen und damit den positiven Trend stützen. Das Kraftfahrzeuggewerbe kann, nachdem die "Spätfolgen“ der Abwrackprämie weitgehend überwunden sind, wieder von steigenden Erlösen ausgehen. Im Baugewerbe werden die Wohnungs- und die Gewerbebauinvestitionen den Rückgang im öffentlichen Bau überkompensieren und so zu einer Umsatzausweitung führen. Schließlich sollten die konsumnahen Handwerkszweige ihre Einnahmen dank der anziehenden Verbrauchskonjunktur steigern können. Für das Gesamthandwerk scheint im Jahr 2011 ein nominales Umsatzplus von wenigstens 2,5 Prozent realistisch.

Die Investitionen haben 2010 im Zuge der Konjunkturbelebung wieder merklich zugenommen, der Vorkrisenstand wurde aber noch nicht erreicht. Im Jahr 2011 werden die Handwerksbetriebe ihre investiven Ausgaben weiter erhöhen. Entscheidend hierfür sind die zuversichtlichen Konjunktur- und Geschäftsaussichten. Ferner dürften noch Investitionsprojekte realisiert werden, die im Rezessionsjahr 2009 zurückgestellt wurden. Hinzu kommt, dass sich die Finanzierungssituation tendenziell entspannt hat. Insbesondere das Zinsniveau ist nach wie vor historisch niedrig. Im Vordergrund des Investitionsgeschehens stehen dabei Ersatzbeschaffungen und Modernisierungsmaßnahmen. Denn viele Firmen wollen mit neuen Maschinen und Geräten energie- und materialschonender produzieren und so den stetig steigenden Energie- und Rohstoffkosten entgegenwirken. Kapazitätserweiterungen spielen dagegen angesichts noch vorhandener Kapazitätsreserven und beschränkter Absatzpotenziale eine eher untergeordnete Rolle. Alles zusammengenommen wird das Investitionsbudget des Handwerks in diesem Jahr um ca. 4,0 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro angehoben.

Die Ertragslage hat sich nach dem krisenbedingten Einbruch im letzten Jahr zwar leicht gebessert, blieb aber insgesamt unbefriedigend. Auch 2011 kann für die Ertragskraft keine generelle Entwarnung gegeben werden. Sorgen bereiten den Betrieben vor allem die massiven Verteuerungen bei Energieträgern und Rohstoffen, zumal hier Einsparungen nur begrenzt möglich bzw. kurzfristig häufig kaum umzusetzen sind. Ferner machen sich die vor kurzem wirksam gewordenen Beitragserhöhungen in den sozialen Sicherungssystemen auf der Kostenseite bemerkbar. Andererseits eröffnet die Nachfragebelebung den Handwerkern die Chance, ihre Absatzpreise anzuheben. Ob das jedoch in ausreichendem Umfang gelingen wird, ist angesichts des starken Wettbewerbsdrucks sowie der preisbewussten Kundschaft eher fraglich.

Für die Konjunkturtendenzen der DHZ wurden 8.000 Handwerksbetriebe im Bundesgebiet befragt.

dhz