Kontroverse um Lohngrenzen
Höhere Zuverdienstgrenzen für Frührentner?
PRO Zukünftig soll ein Rentner, der vor Vollendung des 65. Lebensjahres seine Altersrente in Anspruch nimmt, deutlich mehr dazuverdienen dürfen als bisher, so lange die Summe aus Rente und Zuverdienst das zuletzt versicherte Entgelt nicht übersteigt. Diese Änderung schafft neue Spielräume für einen schrittweisen Übergang in den Ruhestand. Der Bezug von Teilrenten wird wesentlich erleichtert. Aber auch Vollrentner erhalten starke Anreize, um zu arbeiten. Bisher liegt die Zuverdienstgrenze für diese vor dem 65. Geburtstag bei lediglich 400 Euro. Mehr als 300.000 Rentner jährlich können von dieser Neuregelung profitieren. Viele Versicherte freuen sich zunächst auf die vorgezogene Rente und sind bereit, dafür Einbußen hinzunehmen. Aber nach wenigen Monaten wird manchem Rentner die neue Freiheit schon langweilig und der Wunsch, wieder etwas zu tun und auch etwas zu verdienen, wächst. Das wollen wir fördern.
Bei einem flexiblen Übergang in den Ruhestand reißt der Kontakt zum Arbeitsleben nicht ab. Man gehört weiter dazu, bestimmt aber den Umfang der eigenen Arbeit selbst. Der Zuverdienst muss verbeitragt und versteuert werden. Mit den gezahlten Beiträgen werden zugleich neue Rentenanwartschaften erworben, mit denen durch Abschläge entstandene Lücken zumindest teilweise wieder geschlossen werden können.
Die Beschäftigungsteilhabe Älterer wird durch die Neuregelung deutlich gesteigert werden. Dies ist im Interesse des Einzelnen, macht aber vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung auch gesamtwirtschaftlich Sinn.
CONTRA Offensichtlich hat die Regierung erkannt, dass die Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters weit mehr Arbeitnehmer als heute mit massiven Abschlägen in die vorgezogene Altersrente zwingen wird. Ihre Idee, die Betroffenen könnten ihre so gekürzten Renten durch Nebenverdienste aufbessern, ist aber weitgehend unrealistisch, schließlich sind die Chancen auf altersgerechte Arbeitsplätze als Frührentner auch nicht besser als vorher.
Für die Beschäftigten wäre der Vorschlag ein schlechtes Geschäft. Die Abschläge bleiben auf Dauer und sie kürzen die Rente sehr viel stärker, als die Betroffenen durch zusätzliche Rentenbeiträge ausgleichen können. Irgendwann sitzen die Rentner dann mit gekürzten Renten, aber ohne Beschäftigung da.
Der Vorschlag löst kein einziges Problem im Zusammenhang mit der Rente mit 67. Bauarbeiter etwa, die es aus Gesundheitsgründen nicht bis zur Altersrente schaffen, speist die Regierung weiter mit Hartz IV oder mit Erwerbsminderungsrenten ab, die im Durchschnitt nur noch 640 Euro betragen. Was wir brauchen, ist ein realistisches gesetzliches Rentenalter, das die meisten auch in Arbeit erreichen können. Dies ist eine Voraussetzung für armutsfeste Renten. Wir wollen flexible Übergänge, die sozial abgesichert sind. Die Hinzuverdienstgrenzen dürfen die Frührentner nicht in die Minijobs treiben. Vielmehr müssen sich sozialversicherungspflichtige Teilzeit und Teilrenten sinnvoll ergänzen. Teilrenten in diesem Sinne weiterzuentwickeln, darüber lässt sich mit uns reden.