DHZ-Konunkturspiegel Kfz-Gewerbe am Wendepunkt

Branchenspiegel: Automarkt dreht ins Plus, die Werkstattauslastung steigt. Von Andreas Bücherl und Lothar Semper

Kfz-Gewerbe am Wendepunkt

  • Baugewerbe: Die Bauwirtschaft hat im Oktober und November an Fahrt gewonnen. Die Umsätze des Bauhauptgewerbes lagen laut amtlicher Statistik in diesen beiden Monaten um drei bzw. um 0,5 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Im Dezember kam es dann aufgrund des frühen und sehr massiven Wintereinbruchs allerdings zu erheblichen Produktionsbehinderungen. Wesentliche Unterstützung erhält die Baukonjunktur derzeit von der Wohnungsbaunachfrage. Denn das Interesse der Privathaushalte ist angesichts des günstigen wirtschaftlichen Umfeldes mit extrem niedrigen Zinsen und rückläufiger Arbeitslosigkeit deutlich gestiegen. Zudem wirkten sich die staatlichen Fördermaßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung positiv aus. Der Wirtschaftsbau entwickelte sich nach einem Zwischenhoch zuletzt eher verhalten. Auch die ifo-Architektenbefragung für den gewerblichen Bau lässt nur eine zögerliche Erholung erkennen. Die öffentlichen Bauinvestitionen dürften im Schlussquartal nur noch leicht zugelegt haben, weil zum einen die Impulse aus den Konjunkturprogrammen auslaufen und zum anderen die Kommunen in einer schwierigen Finanzlage sind.
  • Handwerk für gewerblichen Bedarf: Im Maschinen- und Werkzeugbau ging es in den letzten drei Monaten des Jahres 2010 weiter aufwärts, wenngleich nicht mehr so stürmisch wie in den beiden Quartalen zuvor. Dies trifft sowohl für die Auslands- als auch für die Inlandsbestellungen zu. Zeitlich verzögert kamen die Produktion und der Umsatz merklich in Schwung. Angesichts dieser kräftigen Aufwärtsentwicklung haben die Unternehmen wieder mit Personaleinstellungen begonnen. Die Gebäudereiniger als unternehmensnahe Dienstleister konnten infolge der anziehenden Industriekonjunktur ebenfalls steigende Umsatzzahlen verbuchen. Im Landmaschinenhandwerk gewann der Erholungsprozess an Tempo: Die Traktorenzulassungen übertrafen im Oktober und November den jeweiligen Vorjahreswert um 52 bzw. 58 Prozent.
  • Kraftfahrzeuggewerbe: Der Neuwagenmarkt hat im Laufe des Berichtszeitraumes die Trendwende geschafft. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes lagen die Pkw-Neuzulassungen im Dezember erstmals nach der monatelangen Flaute – bedingt durch die vorgezogenen Käufe – wieder über dem Vorjahresniveau, und zwar um sieben Prozent. Im vergangenen Jahr wurden damit knapp 2,92 Millionen neue Autos verkauft, 23 Prozent weniger als in dem von der Abwrackprämie getriebenen Rekordjahr 2009. Beim Gebrauchtwagenhandel hat sich der positive Trend fortgesetzt. So lag die Zahl der Besitzumschreibungen im Schlussquartal um elf Prozent höher als ein Jahr zuvor. Auch der Servicebereich konnte seinen Erholungskurs festigen, wofür die binnen Jahresfrist um drei Prozentpunkte gestiegene Werkstattauslastung als Beleg dienen kann. Alles in allem beurteilten rund vier Fünftel der Kfz-Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend; Ende 2009 lag der vergleichbare Betriebsanteil nur bei 60 Prozent.
  • Lebensmittelhandwerke: Die Verkaufstätigkeit der Bäcker und Metzger stand im 4. Quartal 2010 wieder ganz im Zeichen des Weihnachtsgeschäftes. Neben dieser alljährlichen Nachfragebelebung dürften der Branche in den letzten Monaten auch die gute Konsumentenstimmung und die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt zugutegekommen sein. Dementsprechend fiel die Bewertung der Geschäftsentwicklung – rund 85 Prozent der Betriebe stuften sie als gut oder zufriedenstellend ein – etwas freundlicher aus als noch vor einem Jahr. Sorgen bereitet den Fachgeschäften aber der zunehmende Wettbewerbsdruck seitens der Discounter und die wieder spürbar steigenden Personal- und Energiekosten. Der Bierabsatz war nach den bisher vorliegenden Daten auch im Zeitraum Oktober/Dezember leicht rückläufig.
  • Gewerbe für privaten Bedarf: Das Gesundheitshandwerk konnte in den ersten drei Quartalen des Jahres 2010 einen moderaten Aufwärtstrend verzeichnen. Auch in den letzten Monaten sollte noch ein leichter Umsatzzuwachs – im Vergleich zum Vorjahr – erreicht worden sein, wenngleich die befragten Firmeninhaber den Geschäftsverlauf etwas kritischer beurteilten als zuvor. Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass vor allem ältere Personen aufgrund der schwierigen Witterungsverhältnisse ihre für Dezember geplanten Termine verschoben haben. Die Friseurgeschäfte meldeten im vierten Quartal eine mäßige Saisonbelebung, konjunkturell trat die Branche nach wie vor auf der Stelle.