DHZ-Konjunkturrückblick Handwerk überwindet Krise

Das Handwerk ist schwach in das Jahr 2010 gestartet. Doch haben im weiteren Jahresverlauf die konjunkturellen Antriebskräfte an Einfluss gewonnen und inzwischen alle Branchen erfasst. Das ist das Ergebnis des Konjunkturrückblicks 2010 der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ).

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Handwerk überwindet Krise

Die Nachwirkungen der schweren Rezession, der extreme Winter sowie das Auslaufen der Umweltprämie bremsten die wirtschaftlichen Aktivitäten. Im weiteren Jahresverlauf haben dann jedoch die konjunkturellen Auftriebskräfte an Einfluss gewonnen und inzwischen alle Branchen erfasst. So lagen – mit Ausnahme der Beschäftigung – alle wichtigen Konjunkturdaten des Handwerks wie Umsätze, Auslastung, Auftragsreserven und Investitionen wieder über dem Vorjahresniveau. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stimmung in den Betrieben sichtlich aufgehellt und war so gut wie seit Langem nicht mehr.

Die Beschäftigung entwickelte sich zu Jahresbeginn recht verhalten. Zum einen bremste der außerordentlich kalte und schneereiche Winter die Beschäftigungsaufnahme. Zum anderen belasteten noch die Folgen der gesamtwirtschaftlichen Konjunkturkrise die Personalsituation. Dementsprechend lag die Zahl der Beschäftigten im ersten Quartal um 1,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. In den Folgemonaten gewann der konjunkturelle Aufwärtstrend an Breite und Dynamik und hat damit auch die Beschäftigung positiv beeinflusst. Besserungstendenzen waren vor allem im Baugewerbe dank der staatlichen Förderprogramme und der generell steigenden Bestandsinvestitionen zu verzeichnen. Bei den Maschinenbaufirmen hat der sehr zügige Erholungsprozess zu ersten Wiedereinstellungen geführt. In den konsumnahen Branchen war der Personalbestand, der sich bereits im Krisenjahr 2009 recht stabil zeigte, nahezu konstant. In einigen Handwerksbranchen blieben sogar Arbeitsplätze unbesetzt, weil geeignete Bewerber nicht zu bekommen waren. Auf dem Ausbildungsmarkt wurden wesentlich mehr Stellen angeboten als nachgefragt. Diese Diskrepanz ist angesichts der demografischen Entwicklung bedenklich, denn unbesetzte Lehrstellen von heute bedeuten einen verschärften Fachkräftemangel von morgen. Insgesamt waren 2010 durchschnittlich 4,73 Millionen Personen im Handwerk aktiv, ca. 0,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Die Umsatztätigkeit verlief in den ersten Monaten des neuen Jahres sehr zögerlich. Insbesondere das Baugewerbe konnte witterungsbedingt kaum Bauleistungen erbringen und in Rechnung stellen. Auch im Kraftfahrzeuggewerbe kam es aufgrund der ins Jahr 2009 vorgezogenen Pkw-Käufe zu empfindlichen Umsatzausfällen. Im 2. Quartal sorgte die allgemeine Konjunkturerholung in Verbindung mit Saison- und Nachholeffekten für eine außerordentlich kräftige Umsatzbelebung. In der zweiten Jahreshälfte setzte sich der Wachstumskurs fort und hat dabei an Stabilität hinzugewonnen. Im Baugewerbe trugen nach dem schwierigen Jahr 2009 wieder alle Bausparten zu dem positiven Gesamtergebnis bei. Während die Erholung im Wohnungs- und im gewerblichen Bau vor allem konjunkturelle Ursachen hatte, ist das Produktionsplus bei den öffentlichen Bauinvestitionen zu einem erheblichen Teil auf die staatlichen Konjunkturpakete zurückzuführen. Die Zulieferer verzeichneten seit dem Sommer kräftige Produktionssteigerungen und konnten somit die Umsatzeinbrüche von 2009 zum Teil wieder wettmachen. Das Kraftfahrzeughandwerk hat – als Folge der Sonderkonjunktur 2009 – erwartungsgemäß ein klares Umsatzminus eingefahren. Der konsumnahe Sektor konnte nicht zuletzt dank der Entspannung auf dem Arbeitsmarkt seine Verkaufserlöse stabil halten. Alles zusammengenommen dürfte das Handwerk im Jahr 2010 seinen Umsatz gegenüber 2009 um etwa 0,5 Prozent auf rund 490 Milliarden Euro gesteigert haben.

Die Investitionsbereitschaft der Betriebe hat sich nach dem scharfen Einbruch 2009 im Laufe des Berichtsjahres spürbar verbessert. Entscheidend hierfür war, dass die Unternehmen aufgrund der raschen Konjunkturerholung die im Krisenjahr aufgeschobenen Investitionsvorhaben nun realisiert haben. Begünstigt wurde die Entwicklung durch das anhaltend niedrige Zinsniveau. Zudem haben sich – laut einer Studie des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) – die Möglichkeiten einer Kreditaufnahme 2010 für das Handwerk tendenziell entspannt, obgleich die Finanzierungsverhältnisse von 2008 noch nicht wieder erreicht wurden. Zudem bestätigten die Umfrageergebnisse, dass die Befürchtungen einer flächendeckenden und branchenübergreifenden Kreditklemme nicht eingetreten sind. In der zweiten Jahreshälfte dürften außerdem noch Vorzieheffekte die Investitionstätigkeit angeregt haben, da die degressive Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter ausläuft. Insgesamt dürfte das Handwerk im Jahr 2010 rund 12,7 Milliarden Euro in Ausrüstungsgüter und Bauten investiert haben, etwa vier Prozent mehr als 2009.

Bei der Ertragslage waren auch im Jahr 2010 noch die Auswirkungen der tiefen Rezession aus dem Vorjahr zu spüren. Das konjunkturelle Umfeld des Handwerks hat sich zwar gebessert, die Einflussfaktoren für die Ertragskraft ließen aber noch keine entscheidende Erholung der Gewinnmargen zu. Vor allem die Verkaufspreise standen unverändert unter starkem Druck. So konnten die Betriebe ihre Preise für Leistungen und Produkte im Branchendurchschnitt nur um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau anheben. Gleichzeitig haben sich Energieträger und Rohstoffe wieder spürbar verteuert. Einen positiven Einfluss auf die Ertragslage hatte dagegen die leicht verbesserte Produktivität, da der Realumsatz je Beschäftigten etwas gestiegen ist.

dhz