DHZ-Gespräch mit Prof. Bernhard Herz über die Krise in Irland und die Folgen für Deutschland. Interview: Karin Birk

"Wieder geht es um die Rettung der Banken"
DHZ: Herr Prof. Herz, lange hieß es, Irland braucht bis Mitte 2011 keine Hilfe. Nun muss es ganz schnell gehen. Warum diese Eile?
Herz: Das hat zwei Gründe: Selbst wenn Irland erst Mitte 2011 Geld braucht, bedarf es doch eines gewissen Vorlaufes, bis das Kreditpaket geschnürt ist. Der zweite Grund, weshalb andere europäische Länder Irland zur Inanspruchnahme des Rettungsschirmes gedrängt haben, ist die Befürchtung, dass sie mit in den Strudel gezogen werden könnten.
DHZ: Wie konkret ist diese Befürchtung?
Herz: Die Ansteckungsgefahr ist eine realistische Gefahr. Schon jetzt steigen die Zinssätze für portugiesische oder spanische Anleihen. Und das, obwohl die Lage in diesen Ländern im Vergleich zu Irland und Griechenland völlig anders ist. Man muss allerdings zur Kenntnis nehmen, dass sich die Finanzmärkte nicht immer rational verhalten, sondern zu Übertreibungen neigen. Spanien leidet zwar unter einem überdimensionierten Immobiliensektor, doch die Verschuldung des Landes ist niedriger als selbst in Deutschland. Gleichwohl müssen die Spanier ihre Schulden laufend am Kapitalmarkt refinanzieren. Und wenn die Gläubiger das nur zu einem höheren Zinssatz tun, wird es immer schwieriger.
DHZ: Zurück zu Irland. Woher kommt das Geld?
Herz: Das Geld kommt aus dem dazu eingerichteten Fonds, dem European Financial Stability Facility (EFSF), der Anleihen begeben und sich auf dem Kapitalmarkt zu sehr guten Konditionen refinanzieren kann. Denn hinter dem Fonds stehen Bürgschaften der einzelnen Mitgliedsländer in Höhe von insgesamt 440 Milliarden Euro. Daneben gibt es rund 250 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds und rund 60 Milliarden Euro von der EU.
DHZ: Wie groß ist das Risiko für den deutschen Steuerzahler, dass er am Ende Geld verliert?
Herz: Das Risiko für den Steuerzahler ist in jedem Fall da. Ansonsten bräuchte es keine Bürgschaften. Wenn Irland nicht in der Lage sein sollte, die Kredite vollständig zurückzubezahlen, muss der deutsche Steuerzahler vom Rest seinen Anteil tragen. Konkret zeigt der Zinsaufschlag, den Länder wie Irland im Vergleich zu Deutschland zusätzlich zahlen müssen, wie hoch die Märkte das Ausfallrisiko einschätzen. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Die Erfahrung zeigt, dass die Ausfallquoten bei Ländern deutlich niedriger sind als bei Unternehmen.
DHZ: Offiziell heißt es, Irland darf nur gerettet werden, wenn der Euro in Gefahr ist. Was heißt das eigentlich, der Euro ist in Gefahr?
Herz: Das weiß wahrscheinlich nicht einmal Bundeskanzlerin Merkel so genau. Derzeit geht es um die Schulden Griechenlands und Irlands. Diese Länder machen gerade einmal fünf Prozent der Eurozone aus. Wenn beide Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, müssten sie normalerweise umschulden, wie es jede Firma mit Schuldenproblemen machen muss. Dass dies etwas mit der Gemeinschaftswährung, dem Euro, zu tun haben soll, sehe ich nicht. Selbst wenn der Euro wie im Frühjahr während der Griechenlandkrise an Wert verlieren sollte, wäre das nicht schlimm. Hier wird wohl eher mit der Angst der Leute gespielt, um die politischen Maßnahmen besser zu verkaufen. Eigentlich geht es wieder um die Rettung von Banken.
DHZ: Inwiefern?
Herz: Die Anleihen des irischen Staates liegen vor allem bei den Banken. Man befürchtet daher, dass die Banken ein Problem bekämen, wenn diese Anleihen an Wert verlieren. Diese Unsicherheit betrifft alle Länder, deren Institute betroffen sind. Das erklärt auch die Bereitschaft der Briten, Irland zu unterstützen, obwohl sie nicht zum Eurowährungsgebiet gehören. Das Geld bekommen nicht die Iren, das Geld bekommen die Banken.