Privater Konsum legt auch zur Freude des Handwerks zu. Kunden investieren ins Eigenheim
Von Karin Birk

Die Kauflaune steigt
In den vergangenen Wochen hat sich die Kauflaune der Deutschen deutlich verbessert. Auch immer mehr Handwerksbetriebe registrieren die Zuversicht der Verbraucher. „Wir spüren den Aufschwung deutlich“, sagt Barbara Kenzler, die in Volkertshausen in der Nähe des Bodensees gemeinsam mit ihrem Mann einen Malerbetrieb betreibt. Anders als noch vor Jahresfrist wollten die Kunden wieder etwas in ihre eigenen vier Wände investieren. Immer wieder höre sie Sätze wie: „Lieber kümmere ich mich um mein Eigenheim, als dass ich das Geld zur Bank trage und nicht genau weiß, was damit passiert.“
Wie es bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg heißt, lassen die insgesamt bessere wirtschaftliche Lage, die sinkende Arbeitslosigkeit und die Aussicht auf spürbare Lohnerhöhungen die Bürger wieder unbeschwerter konsumieren und investieren. Das zeigen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach steigerten die Verbraucher im dritten Quartal 2010 ihre Ausgaben zum dritten Mal in Folge. Die GfK prognostiziert für das Jahresende sogar das beste Konsumklima seit Oktober 2007. Die rund 2.000 befragten Konsumenten erwarteten einen anhaltenden Aufschwung und hätten deshalb weniger Angst vor einem Jobverlust. „Der Trend geht eher zum Konsum, nicht zum Sparen“, so die Einschätzung von GfK-Forscher Rolf Bürkl.
Eine deutliche Trendwende sieht auch das Ehepaar Hoffmann aus Hamburg. „Wir spüren den Aufschwung seit Juli 2010“, berichtet Familie Hoffmann von ihrem Hamburger Elektroinstallationsbetrieb mit zehn Mitarbeitern. Das Telefon klingele alle fünf Minuten. „Unsere Monteure sind rund um die Uhr im Einsatz“, erzählt Dagmar Hoffmann. Firmen und Privatpersonen investierten vor allem in Büroausstattung, Installationen und Innenausbau. „Die Zurückhaltung hat sich gelegt“, sagt auch Installateurmeister Horst Dieter Rogall aus Gotha. „Ich habe das Gefühl, dass die Leute wieder mehr investieren.“
Ingesamt könnte der private Konsum 2010 nach Angaben der GfK um 0,5 Prozent zulegen. Und im kommenden Jahr wird es aller Voraussicht nach noch deutlich mehr sein: So geht etwa der Sachverständigenrat von einem Plus von 1,6 Prozent aus. Die Verbraucher werden damit zusehends zu den Schrittmachern des Wachstums, darin sind sich viele Ökonomen einig. Das ist beachtlich, denn normalerweise legen die Deutschen ihr Geld lieber auf die hohe Kante, als es direkt auszugeben.
Unterstützt wird die positive Kauflaune darüber hinaus durch anziehende Löhne und Sonderzahlungen. Verschiedene Unternehmen der Autoindustrie und der Automobilzulieferindustrie haben wegen der guten Konjunktur Sonderzahlungen beschlossen. Der Trend scheint anzuhalten. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im November zum sechsten Mal in Folge auf 109,3 Punkte gestiegen. Die vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) rund 7.000 befragten Manager schätzten sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die Geschäftslage besser als zuletzt ein.