Der demografische Wandel erfordert schon jetzt entschlossenes Handeln
Von Lothar Semper
Lehrlinge werden zur Rarität
Ende September hatten bundesweit noch 12.300 gemeldete Bewerber keinen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig waren 19.600 Ausbildungsstellen unbesetzt. Rein rechnerisch also kann allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot gemacht werden. In den kommenden Jahren wird also der Wettbewerb um Auszubildende dramatisch zunehmen.
Ursache ist der demografische Wandel. Die Zahl der Schulabsolventen wird spürbar zurückgehen. Ein Beispiel: In Bayern werden nach Prognosen im Schuljahr 2018/2019 gerade noch 24.500 Hauptschüler für eine Ausbildung zur Verfügung stehen. Im Schuljahr 2001/2002 war deren Anzahl noch doppelt so hoch. Die bundesweite Entwicklung verläuft ähnlich. Wie soll und kann man darauf reagieren? Ob es angesichts der demografischen Fakten noch klug und richtig war, einen Ausbildungspakt nach altem Muster mit der Forderung nach neuen Ausbildungsplätzen und neuen Ausbildungsbetrieben zu schließen, könnte man kritisch hinterfragen. Jeder Betrieb, der langfristig plant und um den sich abzeichnenden Fachkräftemangel weiß, wird dem Thema Ausbildung von sich aus höchste Priorität einräumen. Von daher wäre es ratsamer gewesen, den Pakt noch mehr unter das Thema Fachkräftesicherung zu stellen. Die nötigen Ansätze werden im Ausbildungspakt schon genannt. Es muss vor allem darum gehen, die Ausbildungsreife aller Jugendlichen zu gewährleisten und das vorhandene Potenzial optimal auszunutzen. Hier sind durchaus Möglichkeiten vorhanden. So lag im Jahr 2008 die Ausbildungsquote junger Ausländer mit 32,2 Prozent deutlich unter der der deutschen jungen Menschen mit 68,2 Prozent. Hier muss angesetzt werden, ehe man über Zuwanderungsstrategien nachdenkt. Für das Handwerk muss zusätzlich eine andere Strategie Priorität haben. Denn dieser Wirtschaftsbereich bildet 30 Prozent aller jungen Menschen aus, die einen Beruf erlernen. An allen Erwerbstätigen in Deutschland hat das Handwerk aber nur einen Anteil von etwa zwölf Prozent. Diese Zahlen lassen nur einen Schluss zu: Zu viele im Handwerk Ausgebildete verlassen diesen Wirtschaftsbereich und wandern in Industrie, Handel und andere Branchen ab. Wenn es also gelänge, deutlich mehr der angehenden Gesellinnen und Gesellen im Handwerk zu halten, dann wäre der Fachkräftemangel für diesen Wirtschaftsbereich kein allzu großes Thema. Gerade diesem Aspekt sollten die Betriebe wie auch Kammern und Verbände für die Zukunft deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen und die geeigneten Strategien entwickeln.