Es ist ein gefährlicher Countdown, der da gerade in den USA läuft: Zwar haben Republikaner und Demokraten gestern einen Kompromiss gefunden. Dieser muss aber noch genehmigt werden – ansonsten droht die Staatspleite. Eine Eskalation würde auch das deutsche Handwerk zu spüren bekommen.
US-Schuldenstreit gefährdet deutsche Wirtschaft
Die USA erscheinen zwar weit weg. Doch eine Eskalation der Schuldenkrise in Amerika würde auch das deutsche Handwerk zu spüren bekommen. "Das Problem trifft nicht nur im Ausland aktive Handwerksbetriebe. Wenn die USA ihre Probleme nicht gelöst bekommen, haben erst die Chinesen ein Problem, dann die deutschen Exporteure und schließlich auch das Handwerk und die gesamte deutsche Wirtschaft", sagte der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, gegenüber der "Deutschen Handwerks Zeitung". Der BGA-Chef sagte weiter: "Jeder Bäckermeister in meiner Heimatstadt Ingolstadt weiß, dass es ihm gut geht, wenn es Audi gut geht. Umgekehrt spürt auch jeder Handwerksbetrieb ganz schnell, wenn der Auto-Absatz zurückgeht."
Ratingagenturen akzeptieren den Kompromiss nicht
Um eine Staatspleite zu vermeiden, haben die beiden Parteien der Republikaner und Demokraten nach langen Streitigkeiten zwar einen Kompromiss gefunden, bislang wurde darüber aber noch nicht im Senat und im Repräsentantenhaus abgestimmt. Da das Repräsentantenhaus eine republikanische Mehrheit hat, könnte eine Abstimmung hier zu weiteren Diskussionen führen.
Der Kompromiss sieht vor, dass die Schuldengrenze erhöht und ein Billionen-Dollar-Sparprogramm umgesetzt werden muss. Wird hier nicht so schnell wie möglich eine langfristige Lösung gefunden, drohen die Ratingagenturen damit, die Kreditwürdigkeit der USA heranzustufen – die Zahlungsunfähigkeit wäre die Folge. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet könnte dagegen auch Obamas Kompromiss nicht helfen, da es hierbei nur nach einer kurzfristigen Lösung aussehe. Dies gab der Devisenstratege Michael Woolfolk von BNY Mellon zu Bedenken. Noch haben die Ratingagenturen nicht reagiert.
Ein gefährliches Spiel für die Weltwirtschaft
Laut Börner ist der von der US-Politik zunehmend erbittert geführte US-Schuldenstreit nicht zu unterschätzen. "Das ist ein gefährliches Spiel für die Weltwirtschaft", sagte er im Gespräch mit "Handelsblatt Online". Börner zeigte sich skeptisch, ob es dem US-Kongress noch gelingen werde, eine Einigung herbeizuführen. "Ich schließe nicht aus, dass die US-Politik zunächst den 2. August ohne Lösung verstreichen lassen und sich erst nach den daraus resultierenden erheblichen Turbulenzen an den Kapitalmärkten einigen wird", sagte der BGA-Präsident.
Sollte der Kompromiss scheitern, wäre die größte Volkswirtschaft der Welt offiziell zahlungsunfähig. US-Banker riefen die Politiker am Wochenende auf, sich endlich zu einigen, um dramatische Folgen für die ganze Welt abzuwenden.
dhz