Erstmals seit 1995 hat das Statistische Bundesamt wieder Strukturergebnisse zum Handwerk vorgelegt. Und diese zeigen, wie stark "Die Wirtschaftsmacht. Von Nebenan." wirklich ist. Mit 4,916 Millionen Mitarbeitern im Jahr 2008 waren rund 440.000 mehr Menschen beschäftigt als von der Handwerksorganisation bislang geschätzt.
Stärker als gedacht
"Die Ergebnisse der Handwerkszählung zeigen eindrucksvoll die zentrale Bedeutung der Wirtschaftsgruppe Handwerk für den Wirtschaftsstandort Deutschland", kommentiert Otto Kentzler, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), die Zahlen des Statistischen Bundesamts.
Demnach waren 2008 in Deutschland rund 577.000 Unternehmen im zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerk tätig. Diese erwirtschafteten rund 471,3 Milliarden Euro Umsatz, was nach Angaben des ZDH sogar 50 Milliarden Euro mehr sind als bislang angenommen.
Die größte Gewerbegruppe ist laut der aktuellen Erhebung bezogen auf die Anzahl der Unternehmen, die tätigen Personen sowie den Umsatz ist das Ausbaugewerb. Dort waren 2008 mehr als 1,3 Millionen Personen tätig. Die kleinste Gewerbegruppe ist das Gesundheitsgewerbe. Hier waren knapp 176 000 Personen in etwa 22 000 Unternehmen tätig.
Ab jetzt jährlich neue Strukturdaten
Im Gegensatz zu den bisherigen traditionellen Handwerkszählungen, bei denen alle Handwerksunternehmen befragt wurden, werden die Ergebnisse der Handwerkszählungen ab 2008 durch die Auswertung des statistischen Unternehmensregisters gewonnen und sind demnach viel umfangreicher. Zudem muss nun kein Handwerksbetrieb mehr mit zusätzlichen statistischen Auskunftspflichten belastet werde und die Daten können nun jährlich bereitgestellt werden.
"Es ist wichtig, dass zukünftig jedes Jahr Strukturzahlen zum Handwerk veröffentlicht werden", betont Kentzler. Die Daten seien von enormer Bedeutung für wirtschafts-, gesellschafts- und handwerkspolitische Weichenstellungen. Weiterhin plädiert der Handwerkspräsident jedoch dafür, dass in der Zukunft noch weitere Daten erfasst werden, so dass das Handwerk in seiner vollen Gänze abgebildet werden könne. So fehlen in den abgebildeten Berufen der Anlagen A und B1 die vielen Kleinstbetriebe des Handwerks mit weniger als 17.500 Euro Jahresumsatz, sofern dort auch kein sozialversicherungspflichtig Beschäftigter tätig war. Zudem sind die handwerklichen Nebenbetriebe nicht erfasst – dies betrifft z.B. die Fleischereien in Supermärkten. Gar nicht erfasst sind darüber hinaus die Unternehmen in den 57 handwerksähnlichen Berufen der Anlage B2 der Handwerksordnung.
