Gut einen Monat nach dem Ende des Zivildienstes gibt es Streit über das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und den neuen Bundesfreiwilligendienst. Der Wohlfahrtsverband und die CSU kritisierten am Mittwoch Pläne des Bundesfamilienministeriums in Berlin, FSJ-Stellen nur noch zu fördern, wenn auf drei Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr zwei im Bundesfreiwilligendienst kommen.
Freiwilligendienste sorgen für Streit
Berlin (dapd). Gut einen Monat nach dem Ende des Zivildienstes gibt es Streit über das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und den neuen Bundesfreiwilligendienst. Der Wohlfahrtsverband und die CSU kritisierten am Mittwoch Pläne des Bundesfamilienministeriums in Berlin, FSJ-Stellen nur noch zu fördern, wenn auf drei Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr zwei im Bundesfreiwilligendienst kommen.
ASB-Bundesgeschäftsführer Christian Reuter appellierte an das Ministerium, die Pläne nicht umzusetzen, "sondern die Entwicklung beider Freiwilligendienste gleichberechtigt zu fördern". Laut ASB geht das Ministerium davon aus, dass die Träger den neuen Bundesfreiwilligendienst nicht ausreichend bewerben.
Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums erklärte hingegen, die Bundesregierung tut alles in ihrer Kraft Stehende, um den Bundesfreiwilligendienst zu einem Erfolg zu machen. Ziel sei es, dass alle Interessenten in Deutschland einen Freiwilligendienst absolvieren könnten.
Angeblich mehr Bewerber als freie Stellen
Das Ministerium verwies auf den Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr. Demnach übersteige die Zahl der rund 60.000 Bewerber die zur Verfügung stehenden FSJ-Plätze um das Doppelte. Ein Ausbau des FSJ sei jedoch nicht möglich, da der Bund aus verfassungsrechtlichen Gründen nur 35.000 FSJ-Plätze fördern dürfe. Das FSJ falle in die Kompetenz der Länder, auf eine Übernahme durch den Bund hätten sich die Länder nicht einigen können.
Mit dem Bundesfreiwilligendienst könne die große Nachfrage nach freiwilligem Engagement jedoch befriedigt werden, so dass kein Interessent abgewiesen werden müsse, erklärte das Ministerium. Um eine gleichmäßige Verteilung zu erzielen, sei deshalb zwischen Bundesministerium und Verbänden die "3:2-Regel" vereinbart worden.
"Bund kannibalisiert das FSJ"
Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer forderte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder auf, das Vorhaben sofort zu stoppen. "Das Bundesfamilienministerium zerschießt gerade nicht nur den Bundesfreiwilligendienst, sondern auch das bewährte Freiwillige Soziale Jahr (FSJ)", erklärte die CSU-Politikerin in München. Schröder (CDU) müsse sofort einschreiten, "denn ihr Haus nutzt offensichtlich ihre Abwesenheit dafür, um mit bürokratischen Maßnahmen den BFD und das FSJ kaputt zu machen". Sie habe "von Anfang an befürchtet, dass der Bund mit dem BFD das bewährte FSJ kannibalisieren will", meinte Haderthauer.
Das Ministerium erklärte dazu süffisant, man begrüße es "ausdrücklich, wenn sich eine Landesministerin mit Herzblut für das Freiwillige Soziale Jahr und den Bundesfreiwilligendienst einsetzt". Das Ministerium tue dies auch, gerade deshalb habe der Bund weitere 100 Millionen Euro für das FSJ und das Freiwillige Ökologische Jahr zur Verfügung gestellt - "obwohl diese in der Verantwortung der Länder liegen und wir damit verfassungsrechtlich an die Grenzen stoßen".
Wer dafür sei, dass jeder Freiwillige auch einen Platz bekomme, der müsse sich darum kümmern, dass beide Dienste ausgewogen besetzt würden, erklärte das Ministerium. Die Menschen würden es nicht verstehen, wenn "bürokratisches Kleinklein den Ausbau der Freiwilligendienste behindert". Deshalb sei es das gemeinsame Ziel der Verbände und des Bundesfamilienministeriums, dass es einen deutlichen Ausbau der Freiwilligendienste gebe. "Auch in Bayern."
dapd
