Auch die berufliche Bildung ermöglicht Karrieren
Von Lothar Semper
Meister sind spitze
Der Paradigmenwechsel scheint geschafft. Die Fraktion derer, die meinen, dass der Mensch erst beim Akademiker beginnt, nimmt rapide ab. Immer mehr setzt sich die Auffassung durch, dass es nicht um Titel, sondern um Kompetenzen geht. Dementsprechend haben mittlerweile auch in den meisten Bundesländern Meister die Möglichkeit, ein Studium ihrer Wahl aufzunehmen. Berufliche und allgemeine Bildung nähern sich damit immer mehr an. Ein wichtiger Meilenstein. Denn die Eltern - was allerdings noch viel weniger bekannt ist - brauchen ihre Kinder nun nicht mehr mit aller Gewalt und viel Nachhilfe durchs Gymnasium bringen. Die berufliche Bildung ist eine sehr gute Alternative.
Karriere mit Lehre
Sie ist außerdem eine Startrampe für hervorragende Karrieren. Denn über Lehre und Meisterqualifikation stehen alle Türen offen. Und es ist sicherlich nicht falsch, anzunehmen, dass ein junger Mensch mit einer erfolgreich absolvierten Berufsausbildung und einem Studium die denkbar besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Berufsleben hat. Das Studium allerdings wird für die meisten nur eine Option bleiben. Das ist jedoch beileibe kein Makel. Denn das Institut der deutschen Wirtschaft hat nun nachgewiesen, dass die Meisterausbildung sich auch wirtschaftlich rechnet. Meister sind demnach teilweise weniger von Arbeitslosigkeit bedroht als Akademiker. Die Fortbildung zum Meister amortisiert sich sogar schneller als ein Studium. Sicherlich kommt es auf den Einzelfall an - auch beim Studenten. Wer ein Exotenfach studiert, wird in der Regel schlechter dastehen als ein Ingenieur. Man hat manchmal den Eindruck, dass das duale Bildungssystem - ein Standortfaktor erster Güte - im Ausland mehr geschätzt wird als im eigenen Land.
Mittlerweile hat sogar die OECD, die in den vergangenen Jahren immer wieder gemeint hat, Deutschland habe zu wenig Akademiker, erkannt, dass das duale System einzigartig ist. Was in Deutschland über eine Berufsausbildung vermittelt wird, dafür ist in manch anderem Land ein Studium erforderlich. Diese Vorteile und Chancen müssen in den nächsten Jahren noch mehr wahrgenommen werden. Denn Fakt ist, dass auf absehbare Zeit aufgrund des demografischen Wandels der Wettbewerb um Kandidaten für die unterschiedlichen Bildungskarrieren dramatisch zunehmen wird. Gerade unsere Handwerksbetriebe sind auf den Fachkräftenachwuchs besonders angewiesen. Da kann es nur nützen, wenn man sagen kann, eine Lehre biete besondere Chancen für die Karriere.