Die Fronten im Streit über das geplante Pumpspeicherkraftwerk Atdorf scheinen bereits in der zweiten Sitzung des runden Tisches verhärtet. Während die Gegner des Großprojektes bei dem Treffen am Montag in Bad Säckingen mehrere alternative Standorte ins Gespräch brachten, beharrte die Betreibergesellschaft Schluchseewerk AG auf dem Bau des Großprojekts am geplanten Ort im Südschwarzwald.
Verhärtete Fronten im Streit über Pumpspeicherkraftwerk Atdorf
Bad Säckingen (dapd-bwb). Die Fronten im Streit über das geplante Pumpspeicherkraftwerk Atdorf scheinen bereits in der zweiten Sitzung des runden Tisches verhärtet. Während die Gegner des Großprojektes bei dem Treffen am Montag in Bad Säckingen mehrere alternative Standorte ins Gespräch brachten, beharrte die Betreibergesellschaft Schluchseewerk AG auf dem Bau des Großprojekts am geplanten Ort im Südschwarzwald. Unterstützung bekam der Bauträger dabei von mehreren Gutachtern, die den Standort einhellig als geeignet bezeichneten.
Das Pumpspeicherkraftwerk, das im Landkreis Waldshut errichtet werden soll, würde über 1.400 Megawatt Leistung verfügen und könnte über eine Million Haushalte mit Strom versorgen. Gegner fürchten allerdings eine Beeinträchtigung von Landschaft und Natur durch das Kraftwerk, auch die Heilquellen des Kurorts Bad Säckingen sehen sie in Gefahr.
Die Gegner des Pumpspeicherkraftwerks plädierten unter anderem für einen alternativen Standort im nördlich gelegenen Wehratal, in dem der Pumpspeichersee in den dort bereits vorhandenen Wehrastausee integriert gewesen wäre. Auch eine Lösung, für die ein Teil des nahe gelegenen Schluchsees abgekoppelt und als Oberbecken für das Kraftwerk genutzt worden wäre, wurde debattiert.
Diese Vorschläge wurden vom Gutachter des von der Schluchseewerk AG bestellten Dienstleisterfirma ILF Colenco, Martin Pehm, zurückgewiesen. So sei der Bau eines Dammes am Schluchsee zwar theoretisch möglich, erfordere aber einen weit größeren Eingriff in die Natur als der Bau in Atdorf, etwa durch den nötigen Abbau von 7,5 Millionen Tonnen Schutt. "Das sind 1,8 Millionen Kilometer Lkw-Fahrten", sagte Pehm. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Schluchsee, Jürgen Kaiser, kritisierte die Variante. "Bereits die Nennung unseres Ortes als möglichen Standort lässt kritische Gäste wegbleiben."
Hans Peter Tietz von der TU Dortmund, der von allen Beteiligten als unabhängiger Gutachter bestellt wurde, bezeichnete Atdorf im Gegensatz zu allen weiteren Standorten als "geeignet", räumte aber ein, dass eine gleichwertige Prüfung aller Alternativen unterblieben sei. Tietz führte dies auf das Raumordnungsverfahren zurück, das das Regierungspräsidium Freiburg auf Antrag der Schluchseewerk AG vorgenommen habe, und das vor allem auf die Pläne des Bauträgers eingehe. Daher könne die Überprüfung alternativer Standorte in seinem Gutachten nicht in derselben Tiefe vorgenommen werden, sondern müsse zum Teil auf Annahmen basieren.
Zuvor hatte sich der unabhängige Gutachter des TÜV Süd mit Einschränkungen für den Standort Atdorf ausgesprochen. Es handele sich um den vergleichsweise am besten geeigneten Standort. Allerdings gebe es noch Konfliktpunkte hinsichtlich Raumplanung, Naturschutz und Trinkwasserversorgung, die zu lösen wären.
Die Gegner des Projektes zeigten sich vom Ergebnis der Gutachten enttäuscht. Grünen-Landtagsabgeordneter Alexander Schoch monierte, dass die Alternativen nicht konkret genug geprüft seien. "Um vernünftig abschätzen zu können, welcher Standort am besten geeignet ist, brauchen wir eine bessere Bewertung", sagte er. Auch der Landesgeschäftsführer des BUND in Baden-Württemberg, Berthold Frieß, forderte einen "Variantenvergleich in identischer Planungstiefe".
dapd
