Wirtschaftsexperten äußern Unmut über Euro-Rettung Banken wären offenbar zu härterem Schuldenschnitt bereit gewesen

Die deutschen Banken und Versicherungen wären offenbar zu einem weitaus höheren Schuldenerlass für Griechenland bereit gewesen. Während der Versicherungskonzern Allianz und die Commerzbank im Vorfeld zum Gipfel am Donnerstag 30 Prozent vorgeschlagen hatten, wäre die Deutsche Bank nach Informationen der "Welt am Sonntag" aus Finanzkreisen mit einem Abschlag von 50 Prozent einverstanden gewesen.

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Banken wären offenbar zu härterem Schuldenschnitt bereit gewesen

Berlin (dapd). Die deutschen Banken und Versicherungen wären offenbar zu einem weitaus höheren Schuldenerlass für Griechenland bereit gewesen. Während der Versicherungskonzern Allianz und die Commerzbank im Vorfeld zum Gipfel am Donnerstag 30 Prozent vorgeschlagen hatten, wäre die Deutsche Bank nach Informationen der "Welt am Sonntag" aus Finanzkreisen mit einem Abschlag von 50 Prozent auf ihre Griechenland-Anleihen einverstanden gewesen. Dazu habe es einen Konsens im Vorstand gegeben.

Ein Schuldenschnitt von 50 Prozent hätte die Bank rund 300 Millionen Euro gekostet. Bei einem Schuldenschnitt von lediglich 21 Prozent, wie ihn die Regierungschefs der Euroländer am Donnerstag vereinbart haben, erziele die Bank voraussichtlich sogar einen kleinen Gewinn. Sie habe zuvor die Papiere stark im Wert berichtigt. Ein Sprecher der Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.

Das Volumen der Anleihen, mit dem deutsche Banken, Versicherungen und Fonds am Rettungspaket für Griechenland teilnehmen sollen, beläuft sich nach Informationen der "Welt" auf 4,5 Milliarden Euro. Dabei handele es sich um jene Anleihen Athens im Besitz deutscher Investoren, die bis 2020 auslaufen werden. Bei einem Abschlag von 21 Prozent würden die privaten Investoren unter dem Strich mit rund 945 Millionen Euro zur Griechenland-Hilfe beitragen.

Ökonomen geteilter Meinung über Rettungspaket

Mehrere Wirtschaftsexperten zeigten sich unterdessen am Wochenende unzufrieden über den Kompromiss zur Griechenland-Rettung. Während der Wirtschaftsprofessor Max Otte die Euro-Rettung im "Focus" nicht ausreichend nannte, bezeichnete der Wirtschaftsberater der EU-Kommission, Stefan Collignon, die Beteiligung des Privatsektors als "Enteignung". Dennoch sei das beschlossene Rettungspaket eine "gute Entscheidung", weil die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) dadurch gestärkt werde.

Das EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi warnte davor, nach Griechenland weitere Euro-Länder umzuschulden. "Wir sollten nicht so tun, als gäbe es diese Einigung für Griechenland kostenlos", sagte der Ökonom der "WamS". Die Beteiligung der Banken bürde dem europäischen Steuerzahler noch mehr Risiken auf - sei es in Form von Garantien oder Kapital für die griechischen Banken. Er fügte hinzu, die Umschuldungsdebatte habe zu dramatischen Ansteckungsgefahren innerhalb der Euro-Zone geführt und die Währungsunion geschwächt.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger verlangte derweil die Schaffung einer europäischen Bankenaufsicht. Es sei "völlig fahrlässig", dass es für den Euro-Währungsraum unterschiedliche nationale Bankaufsichtsbehörden gebe, sagte er dem Radiosender MDR Info. Nötig seien auch stärkere Kontrollen der Staatshaushalte. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt habe sich "in seiner bisherigen Form dafür nicht als geeignet" erwiesen.

dapd