19. Elbe-Saale-Camp könnte aber das letzte Treffen sein Flussschützer campen gegen Kanalbau

Drei Störche suchen in den Elbauen nach Nahrung, eine Gänsefamilie watschelt hintereinander in Richtung Fluss. Inmitten der Naturidylle - unweit der Elbfähre Barby - haben die ersten Flussschützer am Wochenende ihre Zelte für das einwöchige Treffen aufgebaut. Seit 18 Jahren veranstalten sie am Zusammenfluss von Elbe und Saale bereits ihr Protestcamp.

Foto: dapd

Flussschützer campen gegen Kanalbau

Barby (dapd). Drei Störche suchen in den Elbauen nach Nahrung, eine Gänsefamilie watschelt hintereinander in Richtung Fluss. Inmitten der Naturidylle - unweit der Elbfähre Barby - haben die ersten Flussschützer am Wochenende ihre Zelte für das einwöchige Treffen aufgebaut. Seit 18 Jahren veranstalten sie am Zusammenfluss von Elbe und Saale bereits ihr Protestcamp. Jetzt scheint ein Erfolg in greifbare Nähe gerückt.

"Es begann, als im ersten Bundesverkehrswegeplan der Bau einer Saalestaustufe bei Klein Rosenburg festgeschrieben wurde", erinnert sich Camporganisatorin Jutta Röseler. "Wir wussten: Wenn die Saale auf 2,50 Meter Tauchtiefe ausgebaut wird, muss auch die Elbe vertieft werden. Die Schiffe könnten sonst nicht weiterfahren."

Camp war mehr als nur Protest

Schon im ersten Jahr setzten die Flussschützer Öffentlichkeit. Vor dem Magdeburger Landtag errichteten sie eine symbolische Staustufe und ließen Klageweiber dagegen klagen. Daraus entstand dann ein Theaterstück. Und es folgten weitere spektakuläre Aktionen: Elbsperrungen, Flussbesetzungen, Elbeschwimmen mit 800 Teilnehmern.

Doch das einwöchige Camp war stets mehr als nur Protest. Es gab Ausflüge in die Elbauen, Kräuterwanderungen, Biberexpeditionen sowie Diskussionen und Aktionen, Kultur- und Kinderprogramme. Protest zum Anfassen und Mitmachen, Engagement mit Bildungsfaktor. Nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 wurden die Planungen für die Saalestaustufe zu den Akten gelegt.

Nach Bauabsage hat Camp seinen Zweck erfüllt

Gerade wollten die Flussschützer vor knapp einem Jahrzehnt ihren Erfolg feiern, da tauchte die Idee für einen Kanal auf, der Elbe und Saale verbinden und somit das letzte, schwer schiffbare Saalestück umgehen sollte. Die Flussschützer hatten einen neuen Grund zum Protest. Sie setzten ihre Camps fort. 2006 erhielt das Elbe-Saale-Camp den Umweltpreis der Stiftung Umwelt, Natur und Klimaschutz in Sachsen-Anhalt.

Jetzt hat das Bundesverkehrsministerium dem Saale-Kanal nun eine Absage erteilt. Das Camp hat also seinen Zweck erfüllt. Das 19. werde wohl das letzte seiner Art sein, bilanziert Jutta Röseler. Doch recht traut sie dem Frieden nicht. "Die Landesregierung will ja noch nicht so einsehen, dass Elbe und Saale für eine wirtschaftliche Schifffahrt nicht geeignet sind. Ministerpräsident und Verkehrsminister haben bereits beim Bundesverkehrsminister ihr Veto eingelegt."

Teilnehmer richten Blick auf neue Aufgaben

Wenn jetzt noch der Bericht zur Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung beschlossen wird, gibt es klare Kriterien. "Dann darf der 150-Millionen-Euro-Kanal nicht mehr gebaut werden", sagt Röseler. Dann endlich hätte das Camp seinen Zweck erfüllt - und danach sieht es derzeit aus. Die Dauergäste des Elbe-Saale-Camps beschleicht angesichts dieser Vision etwas Wehmut. "Die Leute sagen, es ist so schön hier auf der Wiese, und es kann doch nicht sein, dass wir uns nicht wiedersehen."

Für Röseler ist nur eines bisher klar: "Wenn der Kanalbau endgültig beerdigt ist, dann werden wir auf jeden Fall im nächsten Jahr unseren Erfolg feiern. Danach werden wir sehen, ob wir uns vielleicht mal für ein Wochenende treffen und sehen, was sonst noch los ist im Land. Es gibt ja noch mehr Baustellen." In Tschechien soll eine Staustufe entstehen, an der Unterelbe werde gebaut, an der Donau seien die Staustufenpläne noch nicht vom Tisch. "Es gibt also noch viele Gelegenheiten, unsere Erfahrungen einzubringen."

dapd