Ifo-Geschäftsklimaindex fällt - Exporterwartungen zurückgeschraubt Sektlaune in der deutschen Wirtschaft verflogen

Der Aufschwung in Deutschland verliert an Kraft, geht aber weiter. Nach langem Höhenflug ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli überraschend stark gesunken von 114,5 auf 112,9 Punkte. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage und ihre Geschäftsaussichten im zweiten Halbjahr schlechter. Vor allem die Exportfirmen rechnen mit weniger Wachstum.

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Sektlaune in der deutschen Wirtschaft verflogen

München (dapd). Der Aufschwung in Deutschland verliert an Kraft, geht aber weiter. Nach langem Höhenflug ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli überraschend stark gesunken von 114,5 auf 112,9 Punkte. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage und ihre Geschäftsaussichten im zweiten Halbjahr schlechter. Vor allem die Exportfirmen rechnen mit weniger Wachstum.

"Wir haben einen starken Höhenflug hinter uns und kommen jetzt in eine Normalisierungsphase", erklärte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Freitag in München. "Es geht langsamer voran, aber es gibt keinen Absturz." Die Lage sei immer noch sehr gut. Die Inlandsnachfrage stabilisiere. Die Firmen hätten noch dicke Auftragspolster und wollten weiterhin zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte: "Wenngleich die Geschäftserwartungen nach unten weisen, sonnt sich die deutsche Wirtschaft noch immer in einem Sommerhoch."

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich optimistisch und stellte eine "maßvolle Steuerentlastung" zum Januar 2013 in Aussicht. "Deutschland hat die Krise hinter sich gelassen und steht besser da als zuvor", sagte die CDU-Vorsitzende in Berlin. Nach dem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent im vergangenen Jahr sei dieses Jahr eine ähnliche Entwicklung zu erwarten, und die Arbeitslosigkeit liege im Jahresdurchschnitt unter drei Millionen. Besonders erfreulich sei, dass die Jugendarbeitslosigkeit seit 2005 halbiert wurde. "Deutschland geht es so gut wie lange nicht", sagte Merkel.

Allerdings spüren die Unternehmen das Nachlassen der Weltkonjunktur deutlicher. Sie sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage nach dem Allzeithoch im Juni nicht mehr so zufrieden, dieser Teilindex fiel von 123,3 auf 121,4 Punkte. In der Industrie seien die Kapazitäten zwar gut ausgelastet. "Doch die Erwartungen schwächen sich deutlich ab. Im Auslandsgeschäft rechnen die Firmen mit geringeren Zuwächsen als in den vergangenen Monaten", sagte Sinn. Die Erwartungen für die nächsten Monate wurden zum sechsten Mal in Folge leicht nach unten korrigiert, dieser Teilindex sank auf 105,0 Punkte.

In Asien wächst die Wirtschaft nicht mehr so stürmisch. Und "in den USA ist die Entwicklung enttäuschend", erklärte Abberger. Die Eurokrise habe auf die Realwirtschaft bisher noch nicht durchgeschlagen, sei aber ein Risikofaktor. "Die großen Exportpartner der deutschen Industrie waren bisher nicht betroffen. Italien hat jetzt verunsichert", sagte Abberger.

Die Schwellenländer bleiben eine wesentliche Stütze, aber die Binnenwirtschaft wird wichtiger: "Zentral ist, dass bei uns investiert wird", erklärte Abberger. "Das wichtigste sind die Investitionen - daran hängen die Arbeitsplätze und die Gehälter. In der Folge wird es dann den Konsum stützen."

Auf dem Bau hat sich das Geschäftsklima im Juli weiter verbessert. Der Einzelhandel ist mit der aktuellen Lage nicht mehr so zufrieden, schätzt aber die Aussichten wieder etwas besser ein.

"Man kann nicht sagen, dem Aufschwung geht die Puste aus. Aber er wird deutlich langsamer", sagte der Ifo-Konjunkturexperte. Es gebe zwar viele Risikofaktoren, aber die Lage der deutschen Wirtschaft sei weiterhin gut. Deshalb laufe es auch am Arbeitsmarkt "robust, die Firmen wollen weiter einstellen".

dapd