Die Beschlüsse der Euro-Staaten zu Griechenland sind von den Märkten durchweg positiv aufgenommen worden. Ökonomen wiesen aber auch auf weiterhin bestehende Probleme hin. Die Ratingagentur Fitch kündigte am Freitag an, dass sie für die Dauer der im Herbst geplanten Umschuldung die Teil-Pleite Griechenlands erklären werde. Auch Fitch wertete die Beschlüsse aber als Schritt in die richtige Richtung.
Ökonomen positiv überrascht von Griechenland-Beschlüssen
Frankfurt/Main (dapd). Die Beschlüsse der Euro-Staaten zu Griechenland sind von den Märkten durchweg positiv aufgenommen worden. Ökonomen wiesen aber auch auf weiterhin bestehende Probleme hin. Die Ratingagentur Fitch kündigte am Freitag an, dass sie für die Dauer der im Herbst geplanten Umschuldung die Teil-Pleite Griechenlands erklären werde. Auch Fitch wertete die Beschlüsse aber als Schritt in die richtige Richtung.
Fitch erklärte, ein Austausch von Schuldverschreibungen, der dem Gläubiger schlechtere Bedingungen als zuvor bringe, stelle nach den Regeln der Ratingagentur ein sogenanntes Kreditereignis dar. Das bedeute, dass Griechenland vorübergehend auf "teilweise zahlungsunfähig" und die Anleihen selbst als Zahlungsausfall eingestuft würden. Nach den Beschlüssen von Brüssel sollen die privaten Gläubiger wie Banken und Versicherungen auf etwa 20 Prozent der in griechische Anleihen investierten Gelder verzichten.
Ein derartiges Vorgehen der Ratingagenturen war erwartet worden. Die Auswirkungen sollen nach den Beschlüssen der Staats- und Regierungschefs durch für kurze Zeit gewährte Milliardengarantien neutralisiert werden. Nach dem Austausch, auch das deutete Fitch bereits an, dürfte Griechenland wieder höher eingestuft werden. Denn die neuen Schuldscheine werden vom Euro-Rettungsfonds EFSF abgesichert.
Erwartungen der Volkswirte übertroffen
Finanzexperten begrüßten die Beschlüsse von Brüssel. Das Ergebnis habe viele Erwartungen übertroffen, sagte Barbara Böttcher, Leiterin Europapolitik bei Deutsche Bank Research, der Nachrichtenagentur dapd. "Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben gezeigt, dass es ihnen endlich ernst ist mit der Zusage, alles zu tun, um die Währungsunion zu stabilisieren", hob Böttcher hervor.
Die Staats- und Regierungschefs hätten "ihre Entschlossenheit gezeigt, das Ding nicht an die Wand zu fahren", erklärte auch BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Pfister. "Alle Spekulationen auf einen Zerfall des Euro sind hinfällig", unterstrich er im Gespräch mit dapd.
Die unerwartet umfangreiche neue Hilfe für Griechenland habe das von der Staatsschuldenkrise ausgehende Konjunkturrisiko gesenkt, allerdings um den Preis, dass sich "die Währungsunion noch stärker zu einer Transfer- und Haftungsunion gewandelt" habe, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Immerhin dürfte mit den Beschlüssen "die Staatsschuldenkrise zunächst abebben, schließlich hat die Staatengemeinschaft Handlungsfähigkeit bewiesen". Damit sei die Krise allerdings noch nicht beendet. Die Euro-Peripherieländer müssten ihre Haushalte sanieren. "Hier lauern nach wie vor beträchtliche Risiken", erklärte der Ökonom.
"Nicht aus dem Schlamassel"
Deka-Bank-Chefökonom Ulrich Kater lobte, dass es gelungen sei, die Grundphilosophie der Währungsunion zu wahren, dass nämlich jedes Mitgliedsland für seine Schulden selbst verantwortlich bleibe. Es habe zudem nicht der Eindruck aufkommen dürfen, dass die Schulden erlassen bekomme, wer nur hoch genug verschuldet sei, sagte Kater der Nachrichtenagentur dapd. "Das ist gelungen: Die Schuldensenkung ist moderat. Griechenland ist nicht aus dem Schlamassel. Die allergrößte Aufgabe bleibt bei dem Land."
Die Investoren signalisierten ihre Zustimmung zu den massiven neuen Hilfen für Griechenland und den anderen Schritten gegen die Euro-Krise durch weltweit steigende Kurse. Der Nikkei in Tokio schloss 1,2 Prozent im Plus, der Hang Seng in Hongkong legte sogar 2,1 Prozent zu. Auch die europäischen Börsen zeigten positive Tendenz.
dapd
