Ifo-Geschäftsklimaindex gesunken - Sinn sieht Wirtschaft aber weiterhin im Sommerhoch Wirtschaft schwenkt auf normalen Wachstumskurs zurück

Die Hochstimmung in der deutschen Wirtschaft ist vorüber - der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli deutlich gesunken. Die Unternehmen bewerten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Geschäftsaussichten im zweiten Halbjahr nicht mehr so günstig. Aber sie haben immer noch dicke Auftragspolster und wollen weiterhin mehr Arbeitskräfte einstellen.

Wirtschaft schwenkt auf normalen Wachstumskurs zurück

München (dapd). Die Hochstimmung in der deutschen Wirtschaft ist vorüber - der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli deutlich gesunken. Die Unternehmen bewerten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Geschäftsaussichten im zweiten Halbjahr nicht mehr so günstig. Aber sie haben immer noch dicke Auftragspolster und wollen weiterhin mehr Arbeitskräfte einstellen. "Wenngleich die Geschäftserwartungen nach unten weisen, sonnt sich die deutsche Wirtschaft noch immer in einem Sommerhoch", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Freitag in München.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur, fiel von 114,5 Punkten auf 112,9 Punkte. "Wir haben einen starken Höhenflug hinter uns und kommen jetzt in eine Normalisierungsphase", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. "Es geht langsamer voran, aber es gibt keinen Absturz."

Die Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage nach dem Allzeithoch im Juni nicht mehr so zufrieden, der Teilindex fiel von 123,3 auf 121,4 Punkte. "Ihre Einschätzung ist aber genauso günstig wie während des Frühjahrs", sagte Sinn. In der Industrie seien die Kapazitäten sogar besser ausgelastet. "Doch die Erwartungen schwächen sich deutlich ab. Im Auslandsgeschäft rechnen die Firmen mit geringeren Zuwächsen als in den vergangenen Monaten."

In Asien wachse die Wirtschaft nicht mehr so stürmisch, und "in den USA ist die Entwicklung enttäuschend", erklärte Abberger. Die Eurokrise habe auf die Realwirtschaft bisher noch nicht durchgeschlagen, sei aber ein Risikofaktor. "Die großen Exportpartner der deutschen Industrie waren bisher nicht betroffen. Italien hat jetzt verunsichert", sagte Abberger.

Inlandsinvestitionen als Motor

Die befragten 7.000 Unternehmen schraubten ihre Erwartungen im Juli zum sechsten Mal in Folge leicht zurück, der Teilindex sank auf 105,0 Punkte. "Die Schwellenländer bleiben weiterhin eine wesentliche Stütze für die Weltwirtschaft - Asien, Lateinamerika, aber auch Russland", sagte Abberger. Ein wichtiger Treiber sei aber auch die Binnenwirtschaft: "Das wichtigste sind die Investitionen - daran hängen die Arbeitsplätze und die Gehälter. In der Folge wird es dann den Konsum stützen", erklärte Abberger. "Zentral ist, dass bei uns investiert wird."

Auf dem Bau hat sich das Geschäftsklima im Juli weiter verbessert. Der Einzelhandel ist zwar mit der aktuellen Lage nicht mehr ganz so zufrieden, schätzt aber die Aussichten wieder etwas besser ein.

"Man kann nicht sagen, dem Aufschwung geht die Puste aus. Aber er wird deutlich langsamer", sagte der Ifo-Konjunkturexperte. Es gebe zwar viele Risikofaktoren, aber die Lage der deutschen Wirtschaft sei weiterhin "recht gut, und sie hat Polster". Deshalb laufe es auch am Arbeitsmarkt "robust, die Firmen wollen weiter einstellen".

Für die Wirtschaft sei ein Abbremsen der überhitzten Konjunktur in China besser als eine plötzliche scharfe Korrektur. So könnten sich die Firmen darauf einstellen, erklärte Sinn.

dapd