Energiekonzept "Aus der Brücke wird ein Umweg"

DHZ-Gespräch mit Ingolf Jakobi über das Energiekonzept der Bundesregierung und drohende Gefahren fürs Elektrohandwerk.

Frank Muck

Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke.Foto: ZVEH

"Aus der Brücke wird ein Umweg"

DHZ: Ist das Energiekonzept der Bundesregierung aus Ihrer Sicht ein Erfolg?

Jakobi: Die Ziele lesen sich sehr gut, doch ich glaube nicht, dass man sie mit diesem Papier wird erreichen können. Wir meinen, dass die Schwerpunkte nicht richtig gesetzt sind und so droht aus der „Brücke“ Kernkraft ein Umweg zu werden. Versorgungssicherheit ist zwar wichtig, aber man hätte auf dezentrale Energieversorgung mehr Wert legen müssen. Mit diesem Dokument hat man stattdessen das Oligopol der vier großen Versorger gestärkt.

DHZ: Was bedeutet die Laufzeitverlängerung konkret für die Elektrohandwerke?

Jakobi: Das Interesse an moderner Gebäudetechnik ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das Thema „erneuerbare Energien“ ist bei den Kunden angekommen. Ein Motiv sind die Energiepreise. Solartechnik ist aus dem Geschäftsalltag von mehr als einem Drittel elektrotechnischer Handwerksbetriebe nicht mehr wegzudenken. Auch die Wärmepumpe ist inzwischen ein wichtiges Standbein für die Branche. Zusätzlich hat die Energieart Strom in den letzten Jahren durch die Erzeugung mittels regenerativer Quellen einen Imagewandel erlebt. Dieser Wandel zur „Edelenergie“ hilft unserer Branche und bringt Verbraucher dazu, auf erneuerbare Energien zu setzen. Mit der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke wird das Interesse daran wieder sinken.

DHZ: Was wäre aus Sicht der Elektrohandwerke ein zukunftsweisendes Energiekonzept?

Jakobi: Der Fokus muss stärker auf die dezentrale Energieversorgung ausgerichtet sein. Darüber hinaus brauchen alle Beteiligten faire Marktzugangschancen, damit die angestrebten Energiedienstleistungen wirklich beim Kunden ankommen. Das setzt vor allem Gespräche mit allen Marktteilnehmern voraus. Es war nicht richtig, allein die vier großen Energieversorger an den Tisch zu holen. Eine Beteiligung kleinerer Versorger und des Handwerks wäre sinnvoller gewesen, denn die Umsetzung der klimapolitischen Ziele steht und fällt mit den gebäudetechnischen Handwerken. Sie bringen zum Beispiel seit Mitte der 90er Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Energie- und Stromspar-Checks mit. Im Konzept ist sogar die Rede davon, dass man für die Handwerke Qualifizierungserfordernisse sieht und dass Ausbildungsordnungen neu geschrieben werden sollen. Man hat also erkannt, dass das Konzept ohne das Handwerk nicht zu realisieren ist, hat aber nicht mit uns geredet.

DHZ: Ist der Qualifizierungsbedarf der gebäudetechnischen Handwerke tatsächlich noch so groß?

Jakobi: Der ZVEH hat mit der Sonderschau "Das E-Haus" auf mehreren Messen – Internationale Handwerksmesse, Light+Building und IFA – in diesem Jahr eindrucksvoll bewiesen, was die E-Handwerksbetriebe können. Unser Modellhaus setzt Standards für Energieeffizienz und Vernetzung. Andere stellen diese Art von Haus bisher nur virtuell dar. Wenn man also von Regierungsseite Qualifizierungsbedarf sieht, dann stehen wir für Gespräche gerne zur Verfügung.

DHZ: Wie sehen Sie die Chancen, dass das Gebäudesanierungsprogramm finanziell wieder besser ausgestattet wird und die erneuerbaren Energien wieder stärker gefördert werden?

Jakobi: Das Energiekonzept klingt in dem Punkt vielversprechend. Die Förderung wird jedoch davon abhängen, wie viel Haushaltsmittel zur Verfügung stehen. Das laufende Wirtschaftsjahr stimmt mich dahingehend optimistisch. Die Regierung hat sicher bemerkt, dass die Fördermittel gut angelegt sind. Das Bundesbauministerium geht davon aus, dass man bisher gut sieben Milliarden Euro in das Gebäudesanierungsprogramm investiert und damit Investitionen von annähernd 70 Milliarden Euro ausgelöst hat. Das spricht für sich. Von daher hoffe ich, dass die Regierung diese Aussage wirklich ernst meint.