Zukunft braucht Energie

Energiekonzept der Bundesregierung liefert Stoff für Diskussionen

Von Lothar Semper

Zukunft braucht Energie

Bei weiter steigender Weltbevölkerung und zunehmendem Energiehunger wird immer mehr zur Schlüsselfrage: Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus? Öl, Gas und Kohle - so viel ist sicher - werden früher oder später zur Neige gehen. Und je knapper sie werden, umso stärker wird sich dies in den Preisen niederschlagen. Für Deutschland will auf diese Schlüsselfrage aktuell die Bundesregierung mit ihrem Energiekonzept Antworten geben. Dies ist sicherlich richtig und wichtig. Aber die Kernfragen der Energieversorgung dieser Welt verlangen wohl auch zumindest europaweit oder besser noch weltweit abgestimmte Antworten. So ist es ein richtiger Ansatz, die Sonnenenergie dort zu nutzen, wo sie am meisten Ertrag verspricht. Das Projekt „Desertec“ kann jedoch nur gelingen, wenn die Partner auf Verlässlichkeit setzen können und nicht Erpressbarkeit befürchten müssen.

Internationale Aufgabe

Die Menschheit wird lernen und akzeptieren müssen, dass die Energieversorgung der Zukunft nur gemeinsam zu schultern ist. Dennoch aber ist es zweifelsohne gut, dass auch Deutschland sich positioniert. Die Eckwerte des Energiekonzepts weisen durchaus in die richtige Richtung - ungeachtet der Diskussionen darum, wie nun der Kompromiss um die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke zustande gekommen ist.

Als Übergangslösung kann man auf diese Energieform nicht verzichten. Es ist sicherlich nicht verkehrt, Zusatzgewinne aus Laufzeitverlängerungen für die Forschung im Bereich Energieeffizienz abzuschöpfen. Sie lediglich zur Haushaltskonsolidierung einsetzen zu wollen, muss aber strikt abgelehnt werden. Die billigste Energie wiederum ist die, die nicht gebraucht wird. Und hier ist Deutschland ohne Zweifel auf einem guten Weg. Unser Land geht bereits jetzt mit Energie effizienter um als die meisten anderen Staaten. Mit derselben Menge an Energie kann heute erheblich mehr an Gütern und Dienstleistungen erbracht werden als vor einigen Jahrzehnten.

Die Einsparpotenziale sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Ob man allerdings allen Immobilienbesitzern ein Nullemissionshaus aufs Auge drücken kann, ist dann wiederum doch zu bezweifeln. Auch in Energiefragen müssen Kosten und Nutzen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Der Staat kann mit Fördermaßnahmen aber einiges dazu beitragen, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Energiesparmaßnahmen zu verbessern.

Nun könnte man fragen: Ist das Aufgabe des Staates? Hier gilt wohl ein eindeutiges Ja, zumal sich nur in wenigen anderen Bereichen staatliche Förderung derart rentiert wie beispielsweise bei der Gebäudesanierung. Denn den staatlichen Anreizen folgen private Investitionen in mehrfacher Höhe. Dies kommt zudem auch dem Handwerk zugute und sichert und steigert hier Arbeitsplätze und Wertschöpfung.