Wulff würdigt Einsatz der Freiwilligen in den Streitkräften Erstmals Rekrutengelöbnis der neuen Bundeswehr vor Reichstag

Zum ersten Mal seit dem Ende der Wehrpflicht haben am Mittwoch freiwillige Rekruten vor dem Berliner Reichstagsgebäude ihr Gelöbnis abgelegt. "Unser Land hat Ihren Einsatz verdient, unser Land ist Ihren Einsatz wert", sagte Bundespräsident Christian Wulff in seiner Ansprache.

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Erstmals Rekrutengelöbnis der neuen Bundeswehr vor Reichstag

Berlin (dapd-bln). Zum ersten Mal seit dem Ende der Wehrpflicht haben am Mittwoch freiwillige Rekruten vor dem Berliner Reichstagsgebäude ihr Gelöbnis abgelegt. "Unser Land hat Ihren Einsatz verdient, unser Land ist Ihren Einsatz wert", sagte Bundespräsident Christian Wulff in seiner Ansprache. Angetreten waren auf dem Platz der Republik vor dem Bundestag 450 Wehrdienstleistende des Wachbataillons - stellvertretend für jene 3.400 Freiwilligen, die seit 4. Juli ihren Dienst in der Bundeswehr versehen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) erinnerte daran, dass der Dienst in den Streitkräften eine innere Überzeugung voraussetze. Das sollte auch die Bevölkerung verstehen und die Freiwilligenarmee weiterhin als wichtigen Teil der Gesellschaft begreifen. "Ohne die demokratische Gesellschaft kann die Bundeswehr wenig ausrichten. Aber umgekehrt gilt auch: Ohne die Bundeswehr kann der demokratische Staat nicht bestehen." Beide seien aufeinander angewiesen.

Das öffentliche Gelöbnis fand am 67. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Hitler statt. Mit der Zeremonie in der Nähe des Bundestages will die Bundeswehr ihr Bekenntnis als Streitkräfte in der Demokratie ablegen. Zum anderen stellt sich die deutsche Armee mit diesem Datum bewusst in die Tradition der Männer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Verschwörern versucht hatte, Adolf Hitler zu töten.

Wulff unterstrich, es sei gut, dass das Parlament über alle bewaffneten Auslandseinsätze der Bundeswehr entscheide. "Andere mögen der Auffassung sein, dass der Parlamentsvorbehalt unsere außenpolitische Handlungsfähigkeit einschränkt. Für mich ist es der eindrucksvolle Beweis dafür, dass unsere Bundeswehr im Auftrag des deutschen Volkes handelt."

Zugleich zeigte sich der Bundespräsident besorgt über den Umgang der Gesellschaft mit der Bundeswehr. "Ihre Freiwilligkeit darf nicht zu Gleichgültigkeit in der Gesellschaft führen", sagte er mit Blick auf das Ende der Wehrpflicht. Er mahnte, kein öffentliches Desinteresse zuzulassen. "Wir müssen Anteil nehmen an Ihren Leistungen, an Ihren Ängsten, an Ihren Zweifeln. Öffentliche Debatten führen über Einsätze der Bundeswehr. Und uns mehr kümmern - gerade um die, die in ihrem Einsatz innerlich oder äußerlich verwundet wurden."

Ausdrücklich nahm der Bundespräsident beim Rekrutengelöbnis, das von viel Prominenz begleitet wurde, die Politik in die Pflicht. Es sei Aufgabe des Parlaments und der Regierung, die Notwendigkeit der Einsätze "immer und immer wieder glaubhaft zu vermitteln", mahnte er. Derzeit ist die Bundeswehr mit knapp 7.000 Soldaten an zehn Auslandsmissionen beteiligt.

dapd