Partei will mit touristischen Angeboten Geld verdienen - Acht Millionen Euro Umsatz 2010 Die SPD legt sich Traumschiff zu

162 Meter lang, 13.200 PS stark, 16 Knoten schnell - die in Madeira registrierte "MS Princess Daphne" ist ein klassisches Traumschiff in Weiß. Ab Mai 2012 soll der Luxusdampfer nicht nur deutsche Seetouristen nach St. Petersburg oder Antalya schippern, sondern dabei auch die Parteikasse der SPD füllen...

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Die SPD legt sich Traumschiff zu

Hamburg (dapd). 162 Meter lang, 13.200 PS stark, 16 Knoten schnell - die in Madeira registrierte "MS Princess Daphne" ist ein klassisches Traumschiff in Weiß. Ab Mai 2012 soll der Luxusdampfer nicht nur deutsche Seetouristen nach St. Petersburg oder Antalya schippern, sondern dabei auch die Parteikasse der SPD füllen: "Ab Mai 2012 werden wir das Kreuzfahrtschiff 'MS Princess Daphne' exklusiv für den deutschen Mark anbieten", sagte SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks am Mittwoch in Hamburg.

Das Geschäft wird über die SPD-Reiseservice GmbH organisiert. Aber damit auch Unionsfreunde oder Grüne mit Seebeinen mitfahren, nehmen sich die Sozialdemokraten lieber zurück: Nach außen tritt nur die Berliner Ambiente Kreuzfahrten als Anbieter auf. Dass dieser Anbieter der SPD gehört, wissen nur Eingeweihte. Bestenfalls der leuchtend rote Schornstein des Ozeanriesen weist auf die Verbindung hin.

Die in der SPD-Beteiligungsholding DDVG organisierte Reisetochter erzielte 2010 bei acht Millionen Euro Umsatz 240.000 Euro Gewinn. Hendricks kündigte an, die Partei wolle ihre Reiseaktivitäten ausbauen. Bisher hatte der SPD-Reiseservice vor allem Fahrten zu Parteitagen organisiert oder politisch geprägte Reisen. Die in Berlin angesiedelte Firma soll von jetzt 11 Mitarbeitern auf 22 wachsen. DDVG-Geschäftsführer Matthias Linnekugel kündigte an, die Erträge aus dem Reisegeschäft sollten "deutlich steigen".

Das SPD-Schiff ist mit 480 Passagieren vergleichsweise klein. Es handelt sich nach Angaben der Reederei um ein umgebautes Frachtschiff. Die SPD ist vom Erfolg des Geschäftsmodells überzeugt: Ambiente Kreuzfahrten hat einen Drei-Jahres-Vertrag zur exklusiven Nutzung des deutschen Markts, wie Geschäftsführer Claus Wilm sagte.

Auf Rabatte können SPD-Mitglieder laut Wilm nicht hoffen. Dafür sind die Preise vergleichsweise bescheiden: Zehn Tage in einer Innenkabine kosten ab 999 Euro. Eher auf dem Gehaltsniveau eines Parteivorsitzenden ist die teuerste Kabine "mit eigenem Balkon" für 2.449 Euro. Im Preis enthalten ist ein klassisches "Captains Dinner".

Hendricks stellte auch den Jahresabschuss der DDVG vor, in der die SPD ihre Firmenbeteiligungen führt. Zum ersten Mal seit 1993 wies die Gesellschaft einen Verlust aus, 14 Millionen Euro. Ursache der roten Zahlen ist die Krise der Tageszeitung "Frankfurter Rundschau", an der die SPD mit 40 Prozent beteiligt ist. Die DDVG schrieb 24 Millionen Euro auf ausgereichte Darlehen ab, laut Geschäftführer Jens Berendsen den größten Teil davon für die "FR".

Die SPD bekommt trotzdem wie jedes Jahr Geld von ihrer Kommerz-Tochter: Netto 6,5 Millionen Euro gehen an die Partei. Das Geld wurde aus den nicht ausgeschütteten Gewinnen früherer Jahre bezahlt. "Die SPD steht finanziell stabil da", sagte die Schatzmeisterin.

Zur DDVG gehören neben dem "FR"-Anteil Beteiligungen etwa an der "Neuen Westfälischen", der "Sächsischen Zeitung" oder dem Magazin "Öko-Test". Auch drei Druckereien gehören dem Unternehmen.

dapd