Gießen wehrt sich gegen NPD-Aufmarsch "Brauner Zug in der Innenstadt verhindert"

Anti-Nazi-Buttons waren schon früh Mangelware an diesem Samstag in Gießen. Die vorbereiteten kleinen Anstecker mit der Aufschrift "GI - bleibt bunt. Gemeinsam gegen Nazis" seien schon am Mittag weg gewesen, berichtete Stadtpfarrer Klaus Weißgerber. Er war Teil eines Gießener Bündnisses, das sich gegen eine NPD-Demonstration in der Stadt zusammengeschlossen hatte.

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"Brauner Zug in der Innenstadt verhindert"

Gießen (dapd-hes). Anti-Nazi-Buttons waren schon früh Mangelware an diesem Samstag in Gießen. Die vorbereiteten kleinen Anstecker mit der Aufschrift "GI - bleibt bunt. Gemeinsam gegen Nazis" seien schon am Mittag weg gewesen, berichtete Stadtpfarrer Klaus Weißgerber. Er war Teil eines Gießener Bündnisses, das sich gegen eine NPD-Demonstration in der Stadt zusammengeschlossen hatte.

Die NPD-Gegner konnten am Samstag einen Erfolg für sich verbuchen: Während an der Demonstration der Neonazis nach Angaben der Polizei 134 Personen teilnahmen, war von Tausenden Teilnehmern an verschiedenen Protestaktionen des Bündnisses "Gießen bleibt bunt" gegen die Neonazis die Rede. Sie feierten unter anderem eine Art Stadtfest in der Innenstadt und erinnerten unter anderem mit Mahnwachen an Verbrechen in der Nazi-Zeit.

Es sei gelungen, einen "braunen Zug in der Innenstadt zu verhindern", sagte Weißberger bewegt. Die NPD-Demonstranten seien in ein "unattraktives Aufmarschgebiet" in den Westen der Stadt verwiesen worden, wo ohnehin fast nur Industriegebiet sei, freute sich der Pfarrer im Büro des "Kirchenladens" in Gießen.

Draußen, auf einer Bühne auf dem Kirchplatz, sprach der Vorsitzende der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel. Es sei den Rechten nicht gelungen, die Stadt in Besitz zu nehmen, sagte auch er. Wenn die NPD aufmarschiere, sei das immer eine Bedrohung für den demokratischen Rechtsstaat. "Es ist unser Erfolg, dass wir gemeinsam dagegen aufgestanden sind, weil wir nicht wollen, dass Rechtsextreme in unserer Stadt einen Platz haben."

Tatsächlich war die Zahl der NPD-Aktivisten überschaubar, die am Vormittag vom Bahnhof aus in den Westen der Stadt marschierten. Teilweise säumten bis zu 1.750 Gegendemonstranten die Strecke. Es ertönten Sprechchöre mit "Nazis Raus"-Rufen. Die Fahnen der Antifa, der Jusos, der Linkspartei, des DGB und vieler anderer Gruppen wehten im Wind.

"Ob Ost, ob West, nieder mit der Nazi-Pest", riefen einige linke Aktivisten. Die NPD-Anhänger reagierten mit provozierenden Gesten in Richtung der Gegendemonstranten, die ihnen in Zahl und Lautstärke überlegen waren. Zu direkten Zusammenstößen zwischen Linken und Rechten kam es in Gießen aber nicht.

Ein großes Polizeiaufgebot sorgte dafür, dass die Lage weitgehend friedlich blieb. Die Demonstrationsroute war strikt abgeriegelt mit Dutzenden Einsatzwagen und Barrieren. Immer wieder kreiste ein Polizeihubschrauber am Himmel. Zahlreiche Einsatzkräfte aus verschiedenen Bundesländern waren vor Ort. Wie viele es genau waren, wollte die Polizei nicht sagen. Die Zahl 2.500 machte die Runde.

Am Rande des Geschehens sei es zu kleineren Zwischenfällen gekommen, teilte die Polizei mit. Sie nahm unter anderem fünf junge Männer fest, die Scheiben in der Innenstadt eingeworfen haben. Auch wurden nach Spontandemonstrationen mehrere Personen zur Aufnahme ihrer Personalien kurzzeitig festgenommen.

Die Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz zeigte sich erleichtert, dass es nicht zu einer Eskalation der Gewalt zwischen rechten Extremisten und gewaltbereiten Menschen aus dem autonomen Spektrum kam. Zugleich bedauerte sie, dass es keine adäquaten rechtsstaatlichen Mittel gebe, um einen Aufmarsch von Rechtsextremen zu verhindern. Das sei jedoch auf andere Weise gelungen. "Gießen ist und bleibt bunt", fügte sie hinzu. "Gießen ist und bleibt nazifrei."

dapd