Für die Verwundeten der Bundeswehr in Afghanistan fehlt es an Blutpräparaten und geeigneten Schmerzmitteln. Dies geht aus einem Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus über Ausrüstungs- und Versorgungsmängel hervor, der der Nachrichtenagentur dapd vorliegt. Beklagt werden darin auch Mängel an Geräten und Waffen sowie Probleme bei der Wasserversorgung und Kühlung.
Keine Blutpräparate für Verwundete in Afghanistan
Berlin (dapd). Für die Verwundeten der Bundeswehr in Afghanistan fehlt es an Blutpräparaten und geeigneten Schmerzmitteln. Dies geht aus einem Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus über Ausrüstungs- und Versorgungsmängel hervor, der der Nachrichtenagentur dapd vorliegt. Beklagt werden darin auch Mängel an Geräten und Waffen sowie Probleme bei der Wasserversorgung und Kühlung. Das Verteidigungsministerium versicherte am Freitag, die Mängel und Missstände würden fortlaufend abgearbeitet und behoben.
In Königshaus' Bericht heißt es, in deutschen Feldlagern hätten Blutpräparate gefehlt, um verletzte Soldaten ausreichend zu versorgen. In einem Fall habe das Leben eines Soldaten nur gerettet werden können, weil US-Verbündete das Blutpräparat geliefert hätten. Darüber hinaus hätten Ärzte auch über Probleme mit Schmerzmitteln nach Verletzungen im Gefecht geklagt. Die schmerzlindernde Wirkung setze dabei erst nach bis zu 30 Minuten ein. Eine sehr schnell schmerzlindernde Alternative wird von den US-Truppen seit längerem eingesetzt.
Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey, schrieb in seiner Antwort an Königshaus, die dapd ebenfalls vorliegt, an einer Lösung werde gearbeitet. Hintergrund sei die fehlende deutsche Zulassung bestimmter Blutprodukte mit langer Haltbarkeit. Es dauere zwei Jahre, bis ein neues Produkt in Deutschland entwickelt werden könne. In den Niederlanden seien die Produkte dagegen zugelassen und verfügbar. Davon könnte über eine Ausnahmegenehmigung eine kleine Menge auch für die deutschen Soldaten besorgt werden. Auch für die schnell wirkenden Schmerzmittel kündigte der Staatssekretär eine Prüfung an.
Krankentragen nicht zu verankern
Im Bericht von Königshaus wird auch erneut die Beschwerde aufgeführt, dass deutsche Soldaten ungeschützt Sprengsätze suchen und entschärfen müssen, weil automatische Systeme zur Entschärfung aus gepanzerten Fahrzeugen heraus nicht einsatzbereit seien. Kossendey schreibt, diese Fahrzeuge der US-Truppen seien "grundsätzlich einsatzbereit", müssten nur häufig gewartet oder repariert werden. Zwei weitere dieser Minenräumkolonnen namens "Route Clearance Package" sollen noch im Sommer kommen.
Soldaten kritisierten zudem Fahrzeuge mit Fehlkonstruktionen. So gebe es in der Sanitätsversion des gepanzerten Fahrzeugs "Eagle IV" Probleme bei der Aufnahme von Patienten auf Tragen. Ein Verletzter sei deshalb aus 1,5 Metern beinahe auf den Boden gestürzt. Der Staatssekretär schrieb dazu, dass es sich hierbei nicht um ein Konstruktionsproblem handele, sondern um eine Folge der Nutzung. "Erforderliche Maßnahmen zur weiteren Verwendung von Krankentragen im Einsatz wurden veranlasst", schrieb er.
Klimaanlage versagt im Panzer
Soldaten beklagten sich bei Wehrbeauftragten auch darüber, dass die Klimaanlagen im Schützenpanzer "Marder" versagten und die Temperatur regelmäßig auf mehr als 60 Grad steige. Auch hier erklärte Staatssekretär, es gebe kein Konstruktionsproblem. Vielmehr sei ein technisches Teil ausgefallen. Das werde jetzt vom Hersteller untersucht.
Darüber hinaus äußern die deutschen Soldaten immer wieder Misstrauen gegenüber den afghanischen Sicherheitskräften, die zum Beispiel die Einfahrt in das Lager "OP North" bewachen. Die Kontrollen seien zu lax, die afghanischen Kräfte "unmotiviert und unvorsichtig".
Der Deutsche Bundeswehrverband schloss sich Königshaus' Kritik an. "Was der Wehrbeauftragte sagt, ist richtig", sagte der Vorsitzende Ulrich Kirsch der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle. "Es ist gut, dass er darauf hinweist. Das sind Dinge, die wir auch immer monieren."
Das Verteidigungsministerium betonte, dass solche Berichte regelmäßig eingingen und bearbeitet würden. Zum Abstellen der Mängel werde jedes Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag eingesetzt.
dapd
