Bosbach warnt Union vor pauschalen Schuldzuweisungen - Kritik aus der Wirtschaft an der Kanzlerin Debatte über Führungsqualitäten von Merkel weitet sich aus

Die Debatte über die Führungsqualitäten der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel weitet sich aus. Der CDU-Spitzenpolitiker Wolfgang Bosbach warnte am Freitag vor pauschalen Schuldzuweisungen an die Adresse von Merkel wegen des Umfragetiefs der Union. Die CDU brauche "mehr Spieler, die auf das Tor des Gegners schießen".

Debatte über Führungsqualitäten von Merkel weitet sich aus

Berlin (dapd). Die Debatte über die Führungsqualitäten der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel weitet sich aus. Der CDU-Spitzenpolitiker Wolfgang Bosbach warnte am Freitag vor pauschalen Schuldzuweisungen an die Adresse von Merkel wegen des Umfragetiefs der Union. Die CDU brauche "mehr Spieler, die auf das Tor des Gegners schießen".

Kritik an der Kanzlerin kam dagegen vom Präsidenten des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven. Er forderte, Merkel müsse sowohl in Berlin als auch in Brüssel "endlich Führungsstärke beweisen und handeln". Vielen Unternehmern sei die Kanzlerin "momentan zu abwartend".

Am Donnerstag hatte bereits der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung (MIT), Josef Schlarmann, der Bundesregierung Orientierungslosigkeit vorgeworfen. Auch der Präsident des Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk, machte Merkel mitverantwortlich für das Umfragetief der Union.

Bosbach mahnte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd: "Wenn wir dauernd aus den eigenen Reihen die Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin kritisieren - warum sollten uns die Bürger dann mehr Vertrauen schenken?" Die jüngsten Umfrage-Ergebnisse seien für ihn nicht überraschend. Die CDU dürfe darauf aber nicht hektisch reagieren, sondern müsse sich jetzt auf die Sacharbeit konzentrieren.

Bosbach: CDU hat oft verschiedene Meinungen im Angebot

Bosbach sagte, es sei wichtig, zusammen mit dem Koalitionspartner FDP in zentralen Fragen zu guten Ergebnisse zu kommen. Schwierig sei, dass die CDU bei wichtigen Themen "oft viele verschiedene Meinungen im Angebot hat". Dadurch werde das Profil der Partei nicht geschärft, sondern eher unklar.

Zur Kritik aus dem CDU-Wirtschaftsflügel am Spitzenpersonal der Union sagte Bosbach: "Ich wäre ja auch froh, wenn Friedrich Merz und Roland Koch noch dabei wären. Aber es hat überhaupt keinen Zweck, jede Woche öffentliche Trauerarbeit zu leisten und zu beklagen, dass beide ihre Ämter aufgegeben haben."

Bosbach warnte: "Wenn wir das fortsetzen, entsteht langsam, aber sicher der Eindruck, als hätte der konservative und wirtschaftsliberale Flügel der Union nur aus Friedrich Merz und Roland Koch bestanden und deshalb könne man diese Abteilung eigentlich wegen fehlenden Fachpersonals schließen."

Ohoven sagte, der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) habe viele Probleme erfolgreich ausgesessen. Merkel versuche offenbar, "diesen Politikstil zu kopieren - nur: Was damals ging, klappt heute nicht mehr." Mit der EU-Schuldenkrise habe "die Bedrohung unserer Wirtschaft eine völlig neue Dimension".

Ohoven fügte in einem dapd-Interview hinzu: "Schwarz-Gelb hat einiges Richtige angeschoben, beispielsweise das Wachstumsbeschleunigungsgesetz gegen die Krise. Die Erfolge werden aber vom ständigen Koalitionsstreit und einer Orientierungslosigkeit überlagert." Die Wirtschaft erwarte "eine klare, ordnungspolitische Linie - und keine Kakofonie".

dapd