Unternehmen peilt mittelfristig eine Umsatzverdopplung an Spülmittelhersteller fit will Westkonzernen Marktanteile abjagen

Einst spülte mit dem Mittel ein ganzes Land Geschirr ab. Doch schon bald nach dem Ende der DDR drohte auch dem Hersteller von fit das Aus. Nach einem Neuanfang 1993 finden sich Produkte der ostdeutschen Chemie-Firma nun auch in immer mehr Verkaufsregalen im Westen.

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Spülmittelhersteller fit will Westkonzernen Marktanteile abjagen

Hirschfelde (dapd-lsc). Einst spülte mit dem Mittel ein ganzes Land Geschirr ab. Doch schon bald nach dem Ende der DDR drohte auch dem Hersteller von fit das Aus. Nach einem Neuanfang 1993 finden sich Produkte der ostdeutschen Chemie-Firma nun auch in immer mehr Verkaufsregalen im Westen. Das Traditionsunternehmen legte zuletzt beim Umsatz stark zu und will mittelfristig weiter kräftig wachsen und den Großen der Branche Marktanteile abluchsen.

2010 erwirtschaftete die fit GmbH im sächsischen Hirschfelde nach eigenen Angaben 58 Millionen Euro - ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 31 Prozent. Firmenchef Wolfgang Groß spricht von einem "total verrückten Jahr" und sagt, dies sei - trotz der Hochwasserkatastrophe - der größte Umsatz seit dem Neuanfang. Tatsächlich war vor knapp einem Jahr bei dem damaligen Hochwasser im Südosten Deutschlands auch das Betriebsgelände von fit überflutet worden.

Die Wassermassen zerdrückten Stahllagertanks für Rohstoffe und rissen sie aus den Verankerungen. Das Wasser in den Gebäuden stand 1,20 Meter hoch. Als es zurückging, blieb der Schlamm und ein Schaden in Millionenhöhe. Wochenlang war die Produktion lahmgelegt.

Das Werk liegt direkt am Grenzfluss Neiße im Dreiländereck von Deutschland, Tschechien und Polen. Bis zum polnischen Ort Bogatynia, in dem bei der Katastrophe kaum ein Stein auf dem anderen blieb, sind es nur wenige Kilometer.

Groß sagt, es habe auch in Hirschfelde am Anfang viele Tränen gegeben. Dann hätten alle Mitarbeiter und viele andere Helfer mit angepackt. "Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein", habe er sich selbst gesagt.

In den ersten Wochen und Monaten kamen die Rohstoffe aus mobilen Tanks. "Erst jetzt fängt die Normalität langsam wieder an", sagt der Unternehmer. Nur hier und da sind heute noch Verfärbungen an den Wänden der Fabrikhallen zu sehen. Ein Zeichen, bis wohin die Fluten in kurzer Zeit gestiegen waren.

Trotz des Kraftakts nach der Flut peilt das Unternehmen in diesem Jahr einen weiteren Zuwachs bei den Erlösen auf 70 Millionen Euro an. "Wenn nichts Gravierendes passiert, könnte der Umsatz in zehn Jahren sogar doppelt so hoch sein", sagt der 59-jährige Groß. Einen kräftigen Schub brachte zuletzt vor allem die Übernahme der Marken Kuschelweich und Sunil.

Zuvor hatte fit bereits 2000 mit dem Kauf der Westmarken Rei und Sanso für Schlagzeilen gesorgt. Mittlerweile gilt die Firma als Vorzeigeunternehmen und Nummer eins der Branche in Ostdeutschland.

Dabei sah es nach Mauerfall und Wiedervereinigung gar nicht gut aus für den einst volkseigenen Betrieb, der zu DDR-Zeiten bis zu 450 Menschen beschäftigt und 55.000 Tonnen Spülmittel pro Jahr abgefüllt hatte - mehr als beim Henkel-Konzern im Westen, wo Pril ganz ähnlich wie fit im Osten zum Gattungsnamen für Spülmittel geworden war.

Denn in den ersten Jahren nach der Wende wollte kaum noch jemand das Spülmittel kaufen, das viele DDR-Bürger auch zum Putzen von Fenstern und Autos genutzt hatten. Das Unternehmen stand vor der Zerschlagung. 1993 kaufte der Chemiker und Manager Groß die Firma von der Treuhand. Ihm sei schnell klar gewesen, dass niemand preiswerter würde produzieren können, erinnert er sich. Er fand ein "gutes Produkt", "eine intelligente Fertigung" und "ausgezeichnete Fachleute" vor, investierte in Anlagen und Marketing und setzte auf eine Renaissance bei DDR-Produkten.

Die Rechnung ging auf. Die Firma wächst seit Jahren und schreibt seit der Übernahme schwarze Zahlen. Die Zahl der Beschäftigten kletterte von 60 auf mittlerweile 170.

Am Anfang hörte der Firmenchef immer wieder, das Unternehmen habe keine Chance. "Inzwischen nimmt man uns in der Branche sehr ernst", sagt er.

Bei bundesweiten Warentests landen die Produkte aus dem beschaulichen Ort Hirschfelde regelmäßig ganz weit vorn. Kräftig investiert hat der Mittelständler auch in die Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Produkte. All das soll helfen, der Konkurrenz im Westen Marktanteile abzujagen. Denn dort liegt fit bei Handspülmitteln bei nur fünf Prozent. In den neuen Ländern sind es immerhin 40 Prozent.

Damit ist fit dort nach eigenen Angaben längst wieder Marktführer. "Den Westprodukten ist es nicht gelungen, uns wegzuwischen", sagt Groß, der selbst aus dem Westen der Republik stammt.

dapd