Die Sammlung der Gedenkstätte Ravensbrück wird in einem neuen Archiv gesichert. Dafür sei in einjähriger Bauzeit der ehemalige Garagentrakt der SS saniert und ausgebaut worden, sagte Gedenkstättenleiterin Insa Eschebach am Donnerstag in Fürstenberg/Havel. Der Umbau kostete 3,1 Millionen Euro.
Sammlung der Gedenkstätte Ravensbrück zieht um
Fürstenberg/Havel (dapd-lbg). Die Sammlung der Gedenkstätte Ravensbrück wird in einem neuen Archiv gesichert. Dafür sei in einjähriger Bauzeit der ehemalige Garagentrakt der SS saniert und ausgebaut worden, sagte Gedenkstättenleiterin Insa Eschebach am Donnerstag in Fürstenberg/Havel. Der Umbau kostete 3,1 Millionen Euro.
"Meine Mitarbeiter freuen sich über deutlich verbesserte Bedingungen für die Aufbewahrung unserer kostbaren Sammlung mit Erinnerungsstücken, Fotos und Dokumenten aus dem KZ Ravensbrück", sagte Eschebach. Die Sammlung und die Mitarbeiter seien in dieser Woche umgezogen. Dafür wurden unter anderem 440 laufende Meter Archivgut, rund 20.000 Bücher, 2.070 Film- und Tonaufnahmen, 35 laufende Meter Fotonegative und -positive sowie 335 Kartons mit dem musealen Sammlungsgut transportiert.
Das neue Depot ist mit speziellen Rollregalen für die Aufbewahrung von historischem Archiv- und Schriftgut ausgestattet. In einem Klimaraum werden besonders empfindliche Sammlungsgegenstände unter konservatorisch optimalen Bedingungen aufbewahrt. Zu den Exponaten, die bei 18 Grad und 50-prozentiger Luftfeuchtigkeit gelagert werden, gehören unter anderem Ringe und kleine Figuren, die von den ehemaligen KZ-Häftlingen heimlich angefertigt wurden. "Die Stücke, die unter anderem aus dem Plastik von Zahnbürsten hergestellt wurden, sind sehr empfindlich. Deshalb müssen sie unter speziellen Bedingungen aufbewahrt werden", sagte Monika Herzog, Museologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Ravensbrück.
Die Sammlungsstücke werden Teil der neuen Hauptausstellung sein, die im Frühjahr 2013 auf einer 950 Quadratmeter großen Fläche in der ehemaligen Kommandantur eröffnet werden soll. Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, sprach von einem der "derzeit wichtigsten Projekte in der Stiftung". Die Sanierung der Kommandantur ist das nächste Bauvorhaben auf dem Gelände des einstigen Frauen-KZ. Dafür stehen weitere 3,4 Millionen Euro zur Verfügung.
Insgesamt sind laut Morsch seit 1993 mehr als 15 Millionen Euro in die Modernisierung der Gedenkstätte Ravensbrück geflossen. "Das gesamte Lagergelände war nach dem Krieg überformt und umgebaut worden", erinnerte Morsch. Es sei notwendig gewesen, historische Bezüge und Originalzustände wiederherzustellen.
Nach der denkmalgerechten Sanierung des 1940 für den SS-Fuhrpark errichteten Garagentraktes, in dem sich auch Werkstätten und ein Kino befanden, ist weiterhin die ursprüngliche Funktion des einstöckigen Gebäudes zu erkennen. Die Garageneinfahrten wurden zu großflächigen Glasfenstern umgestaltet. Die restaurierten hölzernen Garagentore können als Fensterläden geschlossen werden.
Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) sagte beim Besuch der Gedenkstätte weitere Unterstützung zu: Aus dem Vermögen der DDR-Partei- und Massenorganisationen erhalte die Gedenkstätte Ravensbrück 89.000 Euro für Baumaßnahmen an der ehemaligen Schneiderei.
Das KZ Ravensbrück in Nordbrandenburg hatte die SS speziell für Frauen eingerichtet. 143.000 Menschen wurden bis 1945 dorthin deportiert, Zehntausende starben unter anderem in Gaskammern.
dapd
