Die geplante Reform der EU-Fischereipolitik hat in Deutschland unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) begrüßte die Pläne von EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki. Nach Einschätzung des Verbands der deutschen Kutter- und Küstenfischer birgt die Reform enorme Gefahren für kleinere Fangflotten.
Geteiltes Echo auf EU-Reformpläne für die Fischerei
Hamburg (dapd). Die geplante Reform der EU-Fischereipolitik hat in Deutschland unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) begrüßte die Pläne von EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki. Nach Einschätzung des Verbands der deutschen Kutter- und Küstenfischer birgt die Reform enorme Gefahren für kleinere Fangflotten. Laut Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) wird der dringend notwendige Kurswechsel für Europas Fischerei verfehlt.
"Der Kommissionsvorschlag enthält gute Ansätze, überlässt aber zu viel dem Zufall", sagte die WWF-Expertin für EU-Fischereipolitik, Karoline Schacht, in Hamburg. Der Entwurf enthalte weder Zeitvorgaben noch bestimme er Verantwortlichkeiten und Umsetzungsrahmen. Zudem fehlten Vorgaben zum Abbau der Flottenüberkapazität. Bei den Punkten regionale Mitbestimmung und Europas Verantwortung in internationalen Gewässern blieben die Vorschläge hinter den Erwartungen zurück.
Langfristige Managementpläne statt jährliche Quoten
Damanaki hatte am selben Tag in Brüssel ihre Reformpläne vorgestellt. Darin schlägt sie vor, das bisherige jährliche Aushandeln der Quoten zwischen den Mitgliedsländern durch langfristige Managementpläne zu ersetzen, die sich streng nach wissenschaftlichen Kriterien richten.
Dies wäre eine drastische Kehrtwende: Bislang lagen - trotz aller Lippenbekenntnisse - die von den Agrarministern verabschiedeten Fangmengen in der Regel deutlich über denen, die die Wissenschaftler gerade noch für vertretbar hielten. Auch mit dem ungewollten Beifang soll nun Schluss sein.
Kleine Betriebe könnten auf der Strecke bleiben
Die geplante Einführung handelbarer Quoten werde dazu führen, dass finanzstarke Fischereibetriebe massiv Fangquoten aufkauften, sagte der Vorsitzende des Verbands der deutschen Kutter- und Küstenfischer, Norbert Kahlfuss, in Bonn auf dapd-Anfrage. Eher kleinere Unternehmen wie die ostdeutsche Stellnetzfischerei drohten dagegen auf der Strecke zu bleiben.
"Wir machen uns zum Beispiel Sorgen, dass die noch immer sehr große spanische Fischerei künftig auch Fangquoten für die Nord- und Ostsee erwerben könnte und somit der Konkurrenzdruck in den heimischen Küstengewässern wächst", sagte Kahlfuss. Die als Revolution gepriesene Fischereireform würde dann gerade für die kleinen, nachhaltig fischenden Unternehmen in einer wirtschaftlichen Katastrophe enden.
Rumpf fordert Beibehaltung nationaler Quoten
Die schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf (CDU) sieht noch Nachbesserungsbedarf. Sie forderte die Beibehaltung der nationalen Quoten. Bei individuell handelbaren Quoten bestehe die Gefahr, "dass die Fangrechte sich auf kapitalstarke Fischereiunternehmen konzentrieren".
Aigner betonte, die Überfischung habe in einigen Bereichen deutliche Ausmaße genommen. "Es ist das Ziel der Bundesregierung, die Fischbestände - in den EU-Gewässern und weltweit - nachhaltig zu bewirtschaften", sagte die Ministerin. Langfristig würden die Fischer in Europa und in Deutschland von der Reform profitieren. Das niedersächsische Landwirtschaftsministeriums will sich vor einer Bewertung erst alle Details des Konzepts anschauen.
dapd
