Trotz drohender Stromengpässe in Deutschland tritt der Energiekonzern RWE beim Bau neuer Kohle- und Gaskraftwerke auf die Bremse. Der Chef der für den Kraftwerksbau zuständigen Konzernsparte RWE Technology, Matthias Hartung, sagte am Dienstagabend in Essen, der Konzern werde vorläufig keine weiteren Neubauten konventioneller Kraftwerke in Auftrag geben.
RWE tritt bei Plänen für Kohle- und Gaskraftwerke auf die Bremse
Essen (dapd). Trotz drohender Stromengpässe in Deutschland tritt der Energiekonzern RWE beim Bau neuer Kohle- und Gaskraftwerke auf die Bremse. Der Chef der für den Kraftwerksbau zuständigen Konzernsparte RWE Technology, Matthias Hartung, sagte am Dienstagabend in Essen, der Konzern werde vorläufig keine weiteren Neubauten konventioneller Kraftwerke in Auftrag geben. Denn derartige Projekte rechneten sich für Deutschlands größten Stromproduzenten nicht.
Insbesondere die Errichtung von Gaskraftwerken sei angesichts der aktuellen Strom- und Gaspreise unattraktiv. Um den Kraftwerksbau wieder rentabel zu machen, seien staatliche Förderprogramme oder die Schaffung eines Kapazitätsmarkts notwendig, bei dem schon die Bereithaltung der Kraftwerke bezahlt werde, hieß es in Essen. In Berlin gibt es offenbar bereits erste Pläne für Subventionen.
Die derzeit im Bau befindlichen Kraftwerksprojekte - die beiden neuen Blöcke im rheinischen Braunkohle-Kraftwerk Neurath und die neuen Blöcke D und E des Steinkohle-Kraftwerks Westfalen in Hamm - will der Konzern allerdings fertigstellen. Hier sei auch die Rentabilität gesichert, hieß es in Essen.
Insgesamt werden die neuen Kraftwerke rund 3.600 Megawatt-Leistung erbringen können. Allerdings werden parallel zu ihrer Inbetriebnahme alte Anlagen vom Netz genommen, so dass der Effekt auf die Schließung der deutschen Stromlücke spürbar geringer ausfällt, als die Zahlen es auf den ersten Blick erscheinen lassen.
Den Ausbau erneuerbarer Energien will der Konzern dagegen fortsetzen und setzt dabei vor allem auf Windkraft. Den Löwenanteil des Windstrom sollen Offshore-Anlagen vor Europas Küsten liefern. Bis 2014 will der Konzern Windparks mit einer Leistung von mehr als 1.000 Megawatt errichten.
Doch auch auf dem Land soll die Leistung vorhandener Windenergieanlagen durch das sogenannte Repowering erhöht werden, bei dem alte Anlagen durch neue, leistungsstärkere Aggregate ersetzt werden. Die Möglichkeiten zur Leistungssteigerung durch neue, bis zu 200 Meter hohe Windräder seien "gigantisch", heißt es beim Essener Konzern. Die Kapazität alter Standorte könne dadurch teilweise verdoppelt werden. Gleichzeitig sucht der Konzern auch nach neuen Standorten für Windparks in Deutschland - etwa im rheinischen Revier.
Unterdessen plant die Bundesregierung offenbar, den Neubau von Gas- und Kohlekraftwerken mit Millionensummen aus dem staatlichen Klimafonds zu subventionieren, der eigentlich zur Förderung von Öko-Energien eingerichtet werden soll. Das teilte das Wirtschaftsministerium auf Anfrage der Grünen mit, wie die "Berliner Zeitung" berichtete.
Demnach soll "in den Jahren 2013 bis 2016 der erforderliche Neubau hocheffizienter, flexibler fossiler Kraftwerke mit fünf Prozent der jährlichen Ausgaben des Energie- und Klimafonds gefördert werden", wie es in dem Schreiben an die Grünen-Fraktion im Bundestag heißt. Damit würden im Jahr 2013 bis zu 166,5 Millionen Euro Förderung für neue Kohle- und Gaskraftwerke fließen, im Jahr 2014 bis zu 163,5 Millionen Euro. Die SPD lehnte unterdessen eine Förderung zusätzlicher neuer Kohlekraftwerke ab.
dapd
