Zwei Tage hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière Israel besucht, hat mit Politikern, Militärs und Parlamentariern gesprochen. Und dabei ausgelotet, ob Deutschland nach dem UNIFIL-Einsatz vor der libanesischen Küste demnächst militärisch noch stärker im Nahostkonflikt gefordert sein könnte. Klare Antwort der israelischen Seite: Nein.
"Unsere Sicherheit legen wir in unsere eigenen Hände"
Jerusalem (dapd). Zwei Tage hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière Israel besucht, hat mit Politikern, Militärs und Parlamentariern gesprochen. Und dabei ausgelotet, ob Deutschland nach dem UNIFIL-Einsatz vor der libanesischen Küste demnächst militärisch noch stärker im Nahostkonflikt gefordert sein könnte. Klare Antwort der israelischen Seite: Nein.
"Erleichtert ist das falsche Wort", sagt de Maizière, als er am Mittwoch seine Eindrücke der Gespräche zusammenfasst. Eine solche Mission, die im Falle einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung der Palästinenser im Herbst nicht ausgeschlossen wurde, stehe derzeit nicht an. Die Signale der israelischen Seite waren wohl eindeutig. "Unsere Sicherheit legen wir in unsere eigenen Hände", lautet das Motto. Übrigens seit Jahren schon. Jetzt weiß es de Maizière auch offiziell.
Dabei sehen die Militärs in Israel die Aufrüstung der radikal-islamischen Hamas mit Sorge. Immer mehr und immer modernere Waffen würden in den Gazastreifen geschmuggelt, sagen Militärvertreter in Jerusalem. "Mittlerweile reichen die neuen Raketen bis fast nach Tel Aviv. Mehr als eine Million Israelis sind direkt von diesen Raketen bedroht. Vor zehn Jahren lag diese Zahl noch bei 30.000."
Doch auf Hilfe von außen will Israel nicht setzen - erst recht nicht durch die UN, sollte im Herbst ein Palästinenserstaat entstehen und durch die Vereinten Nationen anerkannt werden. "Das Zutrauen der israelischen Regierung in eine UN-Mission ist sehr gering", weiß de Maizière nach seinen Gesprächen zu berichten.
Richtig ist, dass die Entstehung eines eigenen palästinensischen Staates durchaus von israelischer Seite begrüßt würde. Doch müsse dies durch Verhandlungen geschehen, sagt der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak. Und warnt, dass es andernfalls eine Entscheidung gebe, die "viel Schaden anrichten" könnte.
Deshalb bereitet sich die israelische Armee nach Angaben einer Sprecherin bereits auf mögliche Szenaren vor. Nein, mit einer kriegerischen Auseinandersetzung rechneten die Militärs nicht, wohl aber mit Ausschreitungen in städtischen Gebieten. Genau dafür sei ein "Urban Warfare Training Center" errichtet worden, das eine typisch arabische Siedlung nachbilde. Hier werde der Einsatz mit Tränengas und Gummigeschossen geprobt. Diese "Softpower-Taktik" sollte Wirkung zeigen.
Doch die Geschichte hat gezeigt, dass sich die israelische Armee auch auf den Ernstfall einstellt. Dabei gehören Angriffe mit Raketen aus dem Gazastreifen fast schon zum Alltag. "Wir hatten in den letzten 12 Stunden drei Raketenangriffe. Daraufhin hat unsere Lufwaffe zwei Angriffe auf Gebäude geflogen, in denen Waffen hergestellt werden", sagt die Sprecherin. Normalität auf israelisch.
dapd
