Eine katholisches Requiem, ein Ehrensalut der Bayerischen Gebirgsschützen, ein israelitisches Totengebet: Eine Woche nach dem Tod von Otto von Habsburg haben am Montag in München rund 2.000 Menschen Abschied vom ältesten Sohn des letzten Kaisers von Österreich genommen.
Bayern nimmt Abschied von Otto von Habsburg
München (dapd-bay). Eine katholisches Requiem, ein Ehrensalut der Bayerischen Gebirgsschützen, ein israelitisches Totengebet: Eine Woche nach dem Tod von Otto von Habsburg haben am Montag in München rund 2.000 Menschen Abschied vom ältesten Sohn des letzten Kaisers von Österreich genommen. Unter den Trauergästen waren neben Familienangehörigen auch Politiker aus mehreren Ländern, Vertreter des Adels, von Schützen- und Heimatvereinen sowie der Internationalen Paneuropa-Union, deren Ehrenpräsident Habsburg war.
Auf dem Münchner Odeonsplatz wurde Habsburg mit dem Ehrensalut der Bayerischen Gebirgsschützen aus Bayern verabschiedet. Neben dem Bayernlied erklang auf dem Platz auch die Kaiserhymne. Der Münchner Oberrabiner Steven Langnas trug einen Totengesang vor, Kardinal Reinhard Marx sprach ein Gebet für den Verstorbenen. Unter Trommelwirbel wurde der Sarg in Auto ein geladen, das ihn nach Österreich bringen sollte.
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte: "Wir verabschieden uns heute von einem großen Europäer und überzeugten Demokraten." Der Fall des Eisernen Vorhangs und die Wiedervereinigung Deutschlands seien seinem "mutigen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte" mit zu verdanken. Habsburg sei ein Mann des Ausgleichs, der Versöhnung und der Völkerverständigung gewesen: "Sein Beispiel tiefer Menschlichkeit wird bleiben."
Kardinal Marx zelebrierte in der Theatinerkirche vor mehr als 700 Trauergästen ein Requiem, das per Großbildleinwand auf den Odeonsplatz übertragen wurde. Marx würdigte Habsburgs Verdienste um Europa und beschrieb ihn als "großen Christen". Der Name des Verstorbenen sei verwoben mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts und mit der politischen Geschichte des Kontinents. Habsburg habe stets versucht, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen: "Otto von Habsburg ist ein ermutigender Zeuge für uns geworden, unsere Berufung anzunehmen."
Unter den geladenen Gästen des anschließenden Empfangs im Kaisersaal der Residenz waren der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.
Schüssel betonte, Habsburgs Leben sei aufgrund der Wirren des 20. Jahrhunderts hart gewesen: "Das hat ihn abgehärtet, aber nicht bitter gemacht." Habsburg sei immer auf der Höhe der Zeit gewesen und habe den Titel "Otto von Europa" verdient.
Der langjährige CSU-Europaabgeordnete war vor einer Woche in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See im Alter von 98 Jahren gestorben. Nach einem Requiem im steirischen Wallfahrtsort Mariazell soll der Sarg nach Wien gebracht werden. Dort wird er am Samstag (16. Juli) in der Kapuzinergruft beigesetzt.
dapd
