„Muße ein Muss“

Pausen machen Sinn

Heinz Kowalski ist Direktor des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung GmbH (BGF) in Köln und Hamburg.Foto: BGF

„Muße ein Muss“

Kaum eine Woche vergeht, in der die Medien nicht über zunehmende psychische Belastungen, Stress oder Burnout-Fälle berichten. Tatsächlich haben die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen in den letzten vier Jahren um mehr als 40 Prozent zugenommen, während im gleichen Zeitraum alle anderen Diagnosegruppen als Krankheitsursachen zurückgingen.

Zum einen stellt sich die Frage, ob die Ursachen betrieblicher oder privater Natur sind, andererseits, was man eigentlich dagegen tun kann. Denn selbst wenn die Ursachen im Privatbereich liegen, die Folgen spürt auch die Firma der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und deshalb sollte sich der Betrieb darum kümmern. „Früher hatten wir nicht so einen Stress, da ging alles ruhiger zu“, hören wir oft in den Betrieben. Dann könnte man eigentlich an den Ursachen ansetzen und versuchen, die Stressoren zu beseitigen oder zu reduzieren.

Wo ist sie denn geblieben, die Muße? Wo sind die kleinen Pausen, die weniger arbeitsintensiven Zeiten, der Ausgleich in der Familie, beim Spielen mit den Kindern, der Konzertbesuch oder das Spazierengehen im Wald? Ist die Muße wirklich weg? Hat man sie uns genommen oder haben wir sie uns selbst gestrichen und sind dem Zeitgeist gefolgt, der beruflichem Stress sogar Respekt zollt?

Man sollte mal wieder eine Arbeitswoche, den Feierabend, das Wochenende, den Urlaub protokollieren. Machen Sie ein Kreuz hinter allem, was Sie als Muße empfunden haben, und prüfen Sie einfach mal, ob sich nicht die Möglichkeit bietet, künftig viel mehr Mußezeiten zu schaffen. Und finden Sie heraus, was Ihnen tatsächlich Muße verschafft. Ist es der 10.000-Meter-Lauf oder das Schachspiel mit der Ehefrau, womit Loki und Helmut Schmidt jahrzehntelang den Tag abgeschlossen haben?

Unternehmen muss klar sein: Ausgebrannte, zerrissene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auf Dauer weniger produktiv. Empfehlen Sie mehr Mußezeiten und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Selbst kleine Pausen können einen sehr guten Erholungswert haben und natürlich macht Sinn, wenigstens einmal im Jahr, im Urlaub, richtig auszuspannen.