21-jähriger Islamist durch Internetpropaganda radikalisiert Anklage wegen Flughafen-Attentats auf US-Soldaten erhoben

Vier Monate nach dem blutigen Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den 21-jährigen islamistischen Attentäter erhoben. Dem kosovarisch-serbischen Staatsangehörigen Arid U. werde zweifacher Mord und dreifacher versuchter Mord vorgeworfen, teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe mit.

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Anklage wegen Flughafen-Attentats auf US-Soldaten erhoben

Karlsruhe/Frankfurt (dapd). Vier Monate nach dem blutigen Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den 21-jährigen islamistischen Attentäter erhoben. Dem kosovarisch-serbischen Staatsangehörigen Arid U. werde zweifacher Mord und dreifacher versuchter Mord vorgeworfen, teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe mit. Der junge Mann hatte am 2. März 2011 bei dem Angriff auf einen US-Militärbus am Frankfurter Flughafen zwei Soldaten erschossen und zwei weitere lebensgefährlich verletzt.

Der Attentäter war nach den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft ein Einzeltäter, der sich bereits im Laufe des Jahres 2010 durch islamistische Internetpropaganda radikalisiert hatte. Die Ermittlungen hätten "keine Anhaltspunkte für weitere Tatbeteiligte oder eine Einbindung des Angeschuldigten in eine terroristische Vereinigung ergeben", betonte die Bundesanwaltschaft.

Es handele sich aber um schwere staatsgefährdende Gewalttaten von besonderer Bedeutung, heißt es in der Anklage, die vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main erhoben wurde. Das Flughafen-Attentat ist der erste tödliche Anschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland.

Wann der Prozess beginnt, ist noch unklar. Zunächst muss die Anklage zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet werden. Ein OLG-Sprecher sagte auf dapd-Anfrage, nach derzeitigem Stand der Dinge sei nicht vor August mit einer Entscheidung über eine Eröffnung des Hauptverfahrens zu rechnen.

Laut Anklage ist Arid U. verdächtig, heimtückisch und aus niederen Beweggründen zwei US-Soldaten getötet zu haben. Darüber hinaus habe er versucht, drei weitere US-Soldaten zu ermorden. Zwei Soldaten verletzte er dabei lebensgefährlich, einer der beiden erblindete auf einem Auge.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft feuerte der 21-Jährige auf seine unbewaffneten Opfer jeweils gezielte Kopfschüsse aus nächster Nähe ab. Er habe die Soldaten ausschließlich deshalb töten wollen, weil sie Angehörige der US-Streitkräfte im Rahmen des ISAF-Mandats in Afghanistan waren. Die Taten seien Ausdruck einer "radikal-islamistischen Einstellung, die willkürliche Tötungen von US-Soldaten in der Bundesrepublik Deutschland einschließt".

Den Angaben zufolge war Arid U. am Vortag der Tat im Internet auf ein dschihadistisches Propagandavideo über angebliche Vergewaltigungen muslimischer Frauen durch ausländische Soldaten gestoßen. Deshalb habe er sich entschlossen, "am Frankfurter Flughafen möglichst viele US-Soldaten mit dem Einsatzziel Afghanistan zu töten", so die Anklage.

Nach "taz-"Informationen war Arid U. noch weit stärker durch salafistische und dschihadistische Propaganda beeinflusst als bisher bekannt. So soll er auf dem Weg zum Tatort mehrere Dschihadhymnen gehört haben, darunter ein Lied eines Bonner Aktivisten der "Islamischen Bewegung Usbekistan", wie die Zeitung (Freitagausgabe) aus Sicherheitskreisen erfuhr. Der Text laute: "Mutter bleibe standhaft, dein Sohn ist im Dschihad." Auf dem Abspielgerät hätten die Ermittler zudem elf englischsprachige Vorträge des Predigers Anwar al-Awlaki gefunden, dem wichtigsten Ideologen von Al-Qaida im Jemen.

Laut Anklage schoss Arid U. zuerst einem 25-jährigen Soldaten, der neben dem Bus stand, aus etwa eineinhalb Metern hinterrücks in den Kopf und tötete danach im Bus auch einen 21-jährigen Soldaten auf dem Fahrersitz per Kopfschuss. Mit dem Ruf "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") habe er dann auf zwei im Gang stehende Soldaten im Alter von 21 und 25 Jahren geschossen, die später notoperiert werden mussten. Nur weil seine Pistole Ladehemmung hatte, konnte Arid U. nicht noch weitere US-Soldaten in dem Bus erschießen. Er hatte bereits auf den Kopf eines 22-jährigen Soldaten gezielt und zweimal den Abzug betätigt.

dapd