Verbraucherschützer beklagen schlechten Service bei Postagenturen in Lottogeschäften Beim Porto wird oft gerätselt

Wer bei einer der 14.000 Postagenturen in Schreibwarengeschäften oder Lebensmittelläden einen Brief oder ein Päckchen aufgeben will, sollte sich nicht zu sehr auf die Beratung vor Ort verlassen. Das ist das Ergebnis von am Mittwoch veröffentlichten Tests der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

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Beim Porto wird oft gerätselt

Düsseldorf (dapd). Wer bei einer der 14.000 Postagenturen in Schreibwarengeschäften oder Lebensmittelläden einen Brief oder ein Päckchen aufgeben will, sollte sich nicht zu sehr auf die Beratung vor Ort verlassen. Das ist das Ergebnis von am Mittwoch veröffentlichten Tests der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die Verbraucherschützer hatten in 21 Postagenturen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes nachgefragt, wie sie am günstigsten einen 430 Gramm leichten Pullover und einen 655 Gramm schweren Atlas verschicken könnten. Das Ergebnis fiel für die Post-Partner verheerend aus. "Nicht einer brachte die beiden Sendungen korrekt auf den Weg", berichtete die Verbraucherzentrale. Die Post zeigte sich überrascht. Ihre eigenen Ergebnisse bei Testkäufen seien deutlich positiver.

Nach den gültigen Beförderungstarifen der Deutschen Post dürfte der Pullover in eine Maxi-Warensendung (bis 500 Gramm) für 1,65 Euro gestopft werden. Für den Atlas reiche die Maxi-Büchersendung (500 bis 1.000 Gramm) für 1,40 Euro, erklärten die Verbraucherschützer. Dies sei jedoch den Post-Partnern offenbar nicht klar gewesen. Denn in den Lotto-, Copy- und Schreibwaren-Shops sei fast die gesamte Produktpalette der Deutschen Post empfohlen worden: vom normalen Brief bis zum teueren Päckchen.

Einige Empfehlungen sorgten bei den Testern für Heiterkeit: Etwa der Rat, den Pullover klein zusammenzufalten und in einen Briefumschlag zu stecken. Ein anderes Mal habe der Vorschlag gelautet, einfach die benötigten Seiten aus dem Atlas zu reißen und als Brief zu verschicken. "Jeder Sechsjährige dürfte seine Kinder-Post professioneller führen", rügte die Verbraucherzentrale.

Jeder dritte Teilzeit-Postler habe deutlich überhöhte Preise - etwa 4,10 Euro oder auch "vier Euro noch was" für ein Päckchen - genannt. Mehr als doppelt so viel wie nötig. Spätestens hier werde der Servicemangel zum Ärgernis, urteilten die Verbraucherschützer.

Nur scheinbar kundenfreundlicher sei auch die Empfehlung gewesen, den Pullover als Warensendung mit 70 Cent zu frankieren. Denn dieser Betrag reiche lediglich für 50 Gramm leichte Waren. Unterfrankierung bestrafe die Post aber mit Nichtbeförderung, erhöhtem Entgelt und Nachporto für den Empfänger. Keiner der Befragten sei im übrigen auf die Idee gekommen, den Pullover oder den Atlas auf die Waage zu legen, um den richtigen Tarif herauszufinden.

Ein Post-Sprecher zeigte sich auf dapd-Anfrage überrascht über das schlechte Abschneiden der Post. Das Unternehmen selbst lasse jährlich 40.000 anonyme Testkäufe durchführen, um Schwachstellen aufzudecken. "Da haben wir ein ganz anderes Ergebnis", sagte der Sprecher. Zum schlechten Ergebnis habe sicher auch beigetragen, dass die Verbraucherzentrale nach sehr speziellen Versandformen gefragt habe. Schließlich müssten Waren- und Büchersendungen unverschlossen und ohne Begleitbrief verschickt werden. Dies werde von Privatleuten kaum genutzt.

Die Verbraucherschützer empfahlen Postkunden, im Zweifelsfall lieber selbst in einer Preisbroschüre der Post nachzuschauen.

dapd