Die EU will gegen den ihrer Ansicht nach nicht funktionieren Wettbewerb auf dem europäischen Roaming-Markt vorgehen. Medienkommissarin Neelie Kroes empfahl am Mittwoch in Brüssel einen nachhaltigen strukturellen Lösungsansatz gegen die "Roaming-Abzocke".
EU empfiehlt Strukturmaßnahmen gegen "Roaming-Abzocke"
Brüssel (dapd). Die EU will gegen den ihrer Ansicht nach nicht funktionieren Wettbewerb auf dem europäischen Roaming-Markt vorgehen. Medienkommissarin Neelie Kroes empfahl am Mittwoch in Brüssel einen nachhaltigen strukturellen Lösungsansatz gegen die "Roaming-Abzocke". Ihr Vorschlag zu langfristigen Maßnahmen belebe den Wettbewerb, indem Handynetzbetreibern der Zugang zum Markt erleichtert werde und Verbraucher somit mehr Alternativen hätten, sagte Kroes.
"Ein Mobiltelefon sollte mobil sein", sagte Kroes. Heutzutage schalteten viele Verbraucher ihr Handy im Ausland aus, weil Kosten für Telefonate, SMS und Datendownload zu teuer seien. Einer Analyse der Kommission zufolge hat sich der Markt nicht weiterentwickelt. Kroes sagte, über die Grenzen hinweg zögen Verbraucher nach wie vor den Kürzeren und Betreiber kassierten skandalöse Margen - insbesondere beim Daten-Roaming.
Um den Wettbewerb zu stimulieren, will die Kommission Anbieter ab Juli 2014 verpflichten, zuzulassen, dass Verbraucher während des Aufenthalts im Ausland vorübergehend den Roaming-Dienst eines ausländischen Netzbetreibers nutzen können, sollte dieser günstiger sein. Dabei kann der Kunde seine SIM-Karte und inländische Nummer behalten. Zudem sollen Telekommunikationsunternehmen die Mobilfunknetze in anderen Mitgliedsstaaten zu regulären Großhandelspreisen nutzen können und auch im Ausland ihre Dienste anbieten.
Bis die strukturellen Maßnahmen greifen, sollen bis 2016 weiter Preisobergrenzen gelten. Bis dahin würden die Marktpreise weit tiefer liegen, sagte Kroes. Nach wie vor hält die EU-Kommissarin an den Plänen für einen einheitlichen Roaming-Markt bis 2015 fest, auf dem die Ausgaben aller EU-Bürger denen im Inland gleichen.
Brüssel führte 2007 erstmals eine Kostendeckelung für Roaming-Anrufe ein. Die geltende Roaming-Verordnung läuft im Juni 2012 aus. Dem neuen Vorschlag müssen EU-Parlament und Rat noch zustimmen.
Die Obergrenze für einen ausgehenden Anruf soll demnach ab Juli 2012 auf 32 Cent sinken, 2013 und 2014 auf 28 und 24 Cent. Ein eingehender Anruf kostet bis Juli 2014 höchstens zehn Cent. Der Preis für den Versand einer SMS darf zehn Cent nicht überschreiten.
Erstmals sollen auch Endkundenpreise für mobiles Surfen gedeckelt werden. Kroes empfiehlt pro einem Megabyte Preisobergrenzen von 90 Cent ab Juli 2012 vor, 70 und 50 Cent in den beiden darauf folgenden Jahren. Derzeit betragen die Durchschnittskosten laut Kommission pro Megabyte 2,23 Euro, in Extremfällen sogar bis zu zwölf Euro.
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