Leistungsschwache einbeziehen

Unbesetzte Ausbildungsplätze

Manfred Kremer ist Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn.Foto: BIBB/E.S.

Leistungsschwache einbeziehen

Auch 2010 sind - einschließlich der sogenannten Altbewerber - mehr junge Leute auf der Suche nach Ausbildungsplätzen, als betriebliche Ausbildungsplätze angeboten werden. Wieso gelingt es dann vielen Betrieben nicht, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen?

Für die meisten Betriebe ist die Antwort klar: Zu vielen Jugendlichen fehlen die erforderlichen Basiskompetenzen. Leistungsstanduntersuchungen bestätigen, dass dies nicht von der Hand zu weisen ist.

Natürlich müssen die Schulen ihre Anstrengungen weiter verstärken, Jugendliche besser auf weiterführende Bildungsgänge oder eine berufliche Ausbildung vorzubereiten. Diese Anstrengungen werden aber erst in einigen Jahren Früchte tragen; die Betriebe brauchen den Fachkräftenachwuchs schon heute. Auch angesichts der demografischen Entwicklung gilt: Wer seinen Fachkräftebedarf auf Dauer decken und wettbewerbsfähig bleiben will, muss heute lernen, mit einer wachsenden Unterschiedlichkeit umzugehen; das heißt z.B., auch leistungsschwächere Jugendliche erfolgreich auszubilden.

Der Erfolg bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen hängt ganz wesentlich vom betrieblichen Verhalten ab. Klare Vorstellungen vom mittelfristigen Nachwuchsbedarf, Zusammenarbeit mit Schulen, Betriebspraktika für Schüler, frühzeitige und kontinuierliche Kommunikation über Börsen und Messen sind dabei neben Zeitungsanzeigen und Ausbildungsvermittlung der Arbeitsagenturen zielführend. Aber auch die Befähigung des Ausbildungspersonals für den Umgang mit unterschiedlichen Zielgruppen und der Verzicht auf überzogene Anforderungen tragen zum Erfolg bei.

Von der Politik muss gefordert werden, dass sie die Betriebe durch eine verbesserte Infrastruktur dabei unterstützt, zum Beispiel. durch ein externes Ausbildungsmanagement und Hilfen bei der Ausbildung schwächerer Jugendlicher, die unbürokratisch und zu vertretbaren Kosten genutzt werden können.