Nächste Trophäe an der Wand von VW-Patriarch Ferdinand Piech: Nach Skoda, Bentley, Bugatti, Porsche und anderen gehört jetzt auch der Lkw-Bauer MAN zum großen Reich von Volkswagen, das Piech als Aufsichtsratschef und Großaktionär kontrolliert. VW hat nach seinem Übernahmeangebot für MAN eine deutliche Mehrheit von 55,90 Prozent der Stimmrechte erreicht.
Piech setzt sich auch bei MAN durch
Wolfsburg/München (dapd). Nächste Trophäe an der Wand von VW-Patriarch Ferdinand Piech: Nach Skoda, Bentley, Bugatti, Porsche und anderen gehört jetzt auch der Lkw-Bauer MAN zum großen Reich von Volkswagen, das Piech als Aufsichtsratschef und Großaktionär kontrolliert. VW hat nach seinem Übernahmeangebot für MAN eine deutliche Mehrheit von 55,90 Prozent der Stimmrechte erreicht. "Volkswagen ist mit dem Ergebnis mehr als zufrieden", sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Montag. Jetzt will VW aus den Töchtern MAN und Scania einen machtvollen Konzern formen, der den Weltmarktführer Mercedes herausfordern kann.
MAN-Aktionäre hatten VW 35.857.607 Stammaktien und 164.613 Vorzugsaktien angedient, wie die Wolfsburger mitteilten. Damit kostet die Aufstockung des Anteils Volkswagen rund 3,5 Milliarden Euro. Ehe VW tatsächlich die Kontrolle übernimmt, müssen aber noch die Kartellbehörden der betroffenen Ländern zustimmen.
Volkswagen will eine Lkw-Allianz mit seiner schwedischen Tochter Scania, der VW-Transportersparte und dem Münchner MAN-Konzern schmieden. Im Mai hatte VW bei MAN die Schwelle von 30 Prozent der Anteile überschritten und musste daraufhin laut Gesetz allen anderen MAN-Aktionären ein Pflichtangebot vorlegen. VW zahlte 95 Euro je Stammaktie und 59,90 Euro je stimmrechtloser Vorzugsaktie. In den letzten Tagen vor Annahmeschluss in der vergangenen Woche lag der MAN-Aktienkurs unter 95 Euro.
VW wollte ursprünglich keine Mehrheit an MAN erreichen, sondern sich nur eine Mehrheit auf der meist schlecht besuchten Hauptversammlung sichern. VW hatte dazu ein Ziel von mindestens 35 bis 40 Prozent der MAN-Stimmrechte genannt. Mit den nun erzielten rund 56 Prozent geriet die Übernahme damit teurer als erwartet.
VW hatte bei der MAN-Hauptversammlung am 27. Juni schon den Durchmarsch geplant und wollte zahlreiche Aufsichtsratsplätze mit eigenen Topmanagern besetzen sowie einen Winterkorn-Vertrauten in den MAN-Vorstand schicken. Erst Widerstand der EU-Kommission wegen kartellrechtlicher Fragen stoppte diese Pläne im letzten Moment.
Mit der engeren Zusammenarbeit von MAN, Scania und auch VW-Nutzfahrzeuge sollen kurzfristig 200 Millionen Euro pro Jahr gespart werden. Langfristig soll der Nutzen noch deutlich höher liegen.
Offen ist, ob VW über die rund 56 Prozent hinaus MAN-Anteile zukaufen will: Ab 75 Prozent Aktienanteil könnte Volkswagen dem MAN-Vorstand Weisungen erteilen, direkt in die Kasse des Lastwagenbauers greifen, die Satzung ändern und durchregieren, wie Frank Schwope von der NordLB erläuterte.
"Ich kann mir auch vorstellen, dass MAN weitergereicht wird an Scania", sagte der Analyst. VW bekäme dann Milliarden in die Kasse, wäre über Scania trotzdem weiterhin am MAN-Gewinn beteiligt.
Weil die Schwelle von 50 Prozent überschritten ist, kann VW MAN als elfte Tochter der VW-Familie aber schon jetzt in seiner Bilanz voll konsolidieren. Und auf der nächsten Hauptversammlung könne VW die Macht im MAN-Aufsichtsrat übernehmen, sagte Schwope.
Der Kurs der MAN-Aktie brach am Montag um fast 2 Prozent auf 93,50 Euro ein und war schwächster Wert im DAX.
dapd
