Vor gut einem Jahr verordnete Telekom-Chef René Obermann dem Bonner Telekommunikationsriesen als erstem DAX-Konzern eine Frauenquote. Jetzt will der Manager den Worten offenbar Taten folgen lassen. Nach Informationen des "Handelsblatts" (Montagausgabe) sollen im bislang rein männlich besetzten Konzernvorstand künftig drei der sieben Leitungsposten mit Frauen besetzt werden.
Telekom will angeblich ein Frauentrio für den Vorstand
Bonn (dapd). Vor gut einem Jahr verordnete Telekom-Chef René Obermann dem Bonner Telekommunikationsriesen als erstem DAX-Konzern eine Frauenquote. Jetzt will der Manager den Worten offenbar Taten folgen lassen. Nach Informationen des "Handelsblatts" (Montagausgabe) sollen im bislang rein männlich besetzten Konzernvorstand künftig drei der sieben Leitungsposten mit Frauen besetzt werden. Der Aufsichtsrat werde noch am Montagnachmittag auf einer außerordentlichen Sitzung über die Personalien beraten, hieß es in dem Bericht.
Ein Konzernsprecher bestätigte der Nachrichtenagentur dapd, dass sich das Kontrollgremium treffen werde. Zu den Tagesordnungspunkten machte er aber keine Angaben.
Dem Bericht zufolge sollen die Vorstandsposten für Europa, für Datenschutz, Recht und Compliance sowie das Personalressort in weibliche Hände übergehen. Die Frauenquote im Telekom-Vorstand würde damit bei über 40 Prozent liegen.
Die Telekom hatte im März 2010 als erstes DAX-Unternehmen eine Frauenquote eingeführt. Bis Ende 2015 sollten demnach 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein. "Mit Frauen an der Spitze werden wir einfach besser", begründete Obermann damals den ungewöhnlichen Vorstoß.
Personalvorstand Thomas Sattelberger hatte hinzugefügt, die bisherigen Maßnahmen zur Frauenförderung seien zwar "gut gemeint" gewesen, hätten aber nicht ausgereicht. Eine "gläserne Decke" hindere nach wie vor zu viele weibliche Talente an ihrem Weg nach oben.
Laut "Handelsblatt" soll die bisherige Partnerin der Unternehmensberatung McKinsey, Claudia Nemat, künftig das Europaressort übernehmen. In dem Geschäftsfeld sind vor allem die Tochterunternehmen in Osteuropa zusammengefasst. Es ist für den Konzern von großer Bedeutung, gilt aber als schwierig zu führen. Auch für den Bereich Compliance gebe es bereits eine Kandidatin. Doch sei ihr Name noch Geheimsache, berichtete das Wirtschaftsblatt.
Als Nachfolgerin von Personalvorstand Sattelberger ist laut "Handelsblatt" die ehemalige baden-württembergische Bildungsministerin Marion Schick im Gespräch. Doch sei ihre Berufung im Aufsichtsrat umstritten.
Mit der Berufung von drei Frauen in sein oberstes Führungsgremium würde der Konzern in Deutschland eine Schrittmacherrolle übernehmen. Bisher haben Frauen in den Vorständen der DAX-Konzerne Seltenheitswert. In 25 der 30 DAX-Vorstände gibt es nach wie vor überhaupt keine Frau.
dapd
