Ex-Bundesfinanzminister kokettiert nur dezent mit möglicher SPD-Kanzlerkandidatur Steinbrücks "Finanzmarkt-Show" im Theater Oberhausen

Licht aus, Spot an - Auftritt Peer Steinbrück. Der SPD-Politiker macht eine Verbeugung und das Publikum klatscht. Der frühere Bundesfinanzminister ist der Star an diesem Freitag im Theater Oberhausen. Im dunklen Sakko, ohne Krawatte, steht er auf der Bühne und zwinkert lachend dem Publikum zu. Es sind viele "Peer"-Fans da.

Steinbrücks "Finanzmarkt-Show" im Theater Oberhausen

Oberhausen (dapd-nrw). Licht aus, Spot an - Auftritt Peer Steinbrück. Der SPD-Politiker macht eine Verbeugung und das Publikum klatscht. Der frühere Bundesfinanzminister ist der Star an diesem Freitag im Theater Oberhausen. Im dunklen Sakko, ohne Krawatte, steht er auf der Bühne und zwinkert lachend dem Publikum zu. Es sind viele "Peer"-Fans da.

Auf Einladung des örtlichen SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Groschek redet er vor rund 250 Zuhörern. Groschek ist ein echter Genosse aus dem Ruhrpott. Er trägt rote Krawatten, trägt Schnauz und redet laut. Alle nennen ihn Mike. Groschek erinnert spitz daran, dass Mitte der 90er Gerhard Schröder in Oberhausen aufgetreten sei. Wenig später sei Schröder Kanzler geworden. "Mal sehen, was diesmal passiert", schmunzelt Groschek. Der Saal applaudiert.

Mit seinem schnoddrigen norddeutschen Tonfall mahnt Steinbrück scherzend und etwas kokett, die Debatte über die Kanzlerkandidatur sei in der SPD doch "streng verboten".

Dann leitet er zu seinem Referatsthema, der Finanzmarktkrise, über. Flapsig doziert Steinbrück über den Untergang von US-Banken und die Macht der Märkte. Wenn er Geld meint, sagt er "Flocken". Er macht Grimassen, überbetont auf der Bühne einzelne Worte - wie ein Schauspieler. Der Ex-Ministerpräsident von NRW lobt die europäische Idee. Er spannt den Bogen vom Dreißigjährigen Krieg bis heute.

Das überwiegend ältere Publikum lauscht gebannt, will offenbar wissen, wie sicher und stabil der Euro denn nun ist? Der Außenwert der Währung sei stark, aber es gebe "Probleme", sagt Steinbrück. Er redet jetzt mit ernstem Tonfall. Der Saal schweigt still.

Das Krisenmanagement der Bundesregierung in der Griechenland-Krise nennt Steinbrück "unzureichend". Auch die immer neuen Hilfspakete kritisiert er: "Damit kaufen wir nur Zeit." Möglicherweise gebe es so "ein Schrecken ohne Ende". Die Politik dürfe die Kosten nicht bei den Steuerzahlern abladen, sondern müsse jene zur Kasse bitten bei den Banken, die "sich vom Acker machen wollen", schimpft er.

Wer "Schnittblumen und Hundefutter" besteuere, müsse auch Abgaben auf Finanzgeschäfte erheben, fordert Steinbrück. Nur Spott hat er für die Steuersenkungspläne der Koalition übrig. Union und FDP würden sich damit "erneut ins Knie schießen". Positiv sei doch, dass da mal nicht die SPD ein Problem habe, sagt er sarkastisch.

Zur K-Frage sagt Steinbrück auf der Bühne nichts weiter. Auffällig ist aber, dass er gehäuft den öffentliche Auftritt sucht. Angeblich lotet der Bundestagsabgeordnete an der SPD-Basis seine Chancen aus. In Oberhausen gibt es an diesem Abend keine Steinbrück-kritischen Stimmen. Seine "Finanzmarkt-Show" als "Standup"-Politiker kommt an. In der Gesamtpartei hat er dagegen nicht nur Freunde.

Bis zur Bundestagswahl 2013 ist allerdings noch etwas Zeit. Im Jahr der Wahl wird die traditionsreiche SPD 150. Steinbrück wirkt dagegen mit seinen 64 Jahren noch agil. Und Konrad Adenauer war ja sogar 73 Jahre alt, als er Bundeskanzler wurde.

dapd