Bahn AG prüft Schadenersatzforderungen gegen die Hersteller Stahlkartell "Schienenfreunde" soll Preise abgesprochen haben

Ein Stahlkartell namens "Schienenfreunde" soll mindestens zehn Jahre lang die Preise für Schienen in Deutschland bestimmt haben. Vor allem die Deutsche Bahn sei durch die unerlaubten Preisabsprachen geschädigt worden. Es werde gegen 30 Personen in zehn Unternehmen ermittelt, erklärte die Staatsanwaltschaft Bochum am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht der Zeitungen der WAZ-Gruppe.

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Stahlkartell "Schienenfreunde" soll Preise abgesprochen haben

Berlin (dapd). Ein Stahlkartell namens "Schienenfreunde" soll mindestens zehn Jahre lang die Preise für Schienen in Deutschland bestimmt haben. Vor allem die Deutsche Bahn sei durch die unerlaubten Preisabsprachen geschädigt worden. Es werde gegen 30 Personen in zehn Unternehmen ermittelt, erklärte die Staatsanwaltschaft Bochum am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht der Zeitungen der WAZ-Gruppe. Die Bahn AG teilte mit, sie prüfe die Abrechnungen aus den fraglichen Jahren wegen möglicher Schadenersatzansprüche.

Das Kartell habe bis 2008 existiert, berichteten die Zeitungen. Wie aus Unterlagen hervorgehe, kaufte die Bahn bis zu 300.000 Tonnen Stahl im Jahr zu Kartellpreisen. Allein 2006 ließen überzogene Abrechnungen einen Schaden bis zu 100 Millionen Euro vermuten.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum, Bernd Bienioßek, sagte, seine Behörde und das Bundeskartellamt ermittelten gemeinsam wegen des Verdachts auf Ausschreibungsbetrug und unerlaubter Preisabsprachen. Es habe Mitte Mai Untersuchungen bei mehreren Unternehmen gegeben. Die Ermittlungen stünden gleichwohl noch am Anfang. Zur möglichen Schadenshöhe machte er keine Angaben.

Zu den zehn von den Ermittlungen betroffenen Firmen gehören laut "WAZ" die österreichische Voestalpine sowie die ThyssenKrupp-Tochterfirma GfT Gleistechnik in Duisburg. ThyssenKrupp habe mittlerweile Konsequenzen gezogen und fast die gesamte Führungsmannschaft der GfT ausgetauscht. "Unser Interesse ist es, den Fall schnell und umfassend aufzuklären", zitieren die Zeitungen einen Unternehmenssprecher.

Der Deutschen Bahn liegen eigenen Angaben zufolge noch keine näheren Informationen vor. "Sobald wir aus dem Ermittlungsverfahren ein klares Bild von dem Kartell haben, werden wir mögliche Ansprüche gegen die Kartellbeteiligten prüfen", sagte Gerd Becht, Vorstand Recht der Bahn. Die betreffenden Einkaufsvorgänge würden mit Blick auf eventuell entstandene Schäden eingehend überprüft.

dapd