Jede vierte Reederei hat bereits bewaffnete Sicherheitsmänner an Bord - Schutz gegen Piraten Deutsche Frachtschiffe rüsten auf

Die deutsche Handelsflotte rüstet aus Angst vor Piraten auf: Mehr als ein Viertel der Reedereien hat bereits bewaffnete Sicherheitsleute an Bord. Vor allem im piratenverseuchten Indischen Ozean engagieren die Reeder im großen Stil schwer bewaffnete Söldner, nachdem die Bundesregierung die Bitte der Branche um Soldaten an Bord der Frachter nicht erfüllt hatte.

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Deutsche Frachtschiffe rüsten auf

Hamburg (dapd). Die deutsche Handelsflotte rüstet aus Angst vor Piraten auf: Mehr als ein Viertel der Reedereien hat bereits bewaffnete Sicherheitsleute an Bord. Vor allem im piratenverseuchten Indischen Ozean engagieren die Reeder im großen Stil schwer bewaffnete Söldner, nachdem die Bundesregierung die Bitte der Branche um Soldaten an Bord der Frachter nicht erfüllt hatte. Damit vollzieht die Branche eine Wende um 180 Grad, denn früher wurden Gewehre an Bord strikt abgelehnt.

Der Erfolg gibt den Schiffsbetreibern recht: "Diejenigen, die einen Sicherheitsdienst an Bord haben, werden auch nicht angegriffen", sagte PWC-Manager Claus Brandt, der am Mittwoch in Hamburg eine Studie zu dem Thema vorstellte.

In der Umfrage der Beratungsgesellschaft PWC unter 100 deutschen Reedereien gaben 27 an, sie beschäftigten bewaffnete Sicherheitsdienste. Weitere fünf Firmen nehmen unbewaffnete Schutzleute mit auf die Reise. Ein Drittel der Schiffsbetreiber gab in der Befragung an, eines ihrer Schiffe sei schon einmal von Piraten angegriffen worden.

Die Reeder rekrutieren die Söldner nicht allein, weil sie von Piraten geforderte Lösegelder in Millionenhöhe sparen wollen. "Die Besatzungen rufen immer lauter nach den Schutzdiensten", sagte Max Johns vom Verband Deutscher Reeder (VEDR), der den Trend zu bewaffneten Schiffen bestätigt. Laut PWC weigern sich immer mehr Matrosen, ohne eine Deckswache mit Gewehr im Anschlag die Reise zu machen.

Die Besatzungen selbst werden aber nicht zu Waffenträgern, wie Reederverband und PWC erklärten. "Die Wachdienste gehen auf hoher See an Bord und verlassen das Schiff auch so wieder", sagte Reedersprecher Johns. So vermeiden Reeder und Söldner Ärger in Häfen etwa in Ägypten oder Indien, wo die Kämpfer nicht gerne gesehen werden. "Das funktioniert wie ein Lotsendienst", sagte Johns. Auch die Waffen bleiben nicht an Bord.

In den internationalen Gewässern dagegen gibt es keine Gesetze gegen die Söldner. Laut Johns dürfen allerdings an Bord von Schiffen unter deutscher Flagge keine Kriegswaffen benutzt werden - also keine Raketenwerfer oder vollautomatische Maschinengewehre. Meist sind es Teams von drei bis vier Mann, die jeweils ein Schiff bewachen.

Im Golf von Aden - dem gefährlichsten Fahrtgebiet auf der Reise von Asien nach Europa - könnten sich die Handelsschiffe auch unter den Schutz der EU-Marineoperation Atalanta stellen, die mit Kriegsschiffen die Handelswege dort freihält. In sogenannten Gruppentransporten werden mehrere Frachtschiffe zusammengefasst und dann durch den Golf geschleust.

Die deutschen Reeder halten davon nicht viel: Sie müssten ihre Fahrpläne dem Takt der Transporte anpassen. Noch schlimmer: "Auch in den Konvois ist man nicht sicher, es wurden bereits Schiffe daraus entführt", sagte Johns.

Sicher sind dagegen die bewaffneten Schiffe: "Bisher wurde kein Schiff mit Sicherheitsleuten an Bord von Piraten angegriffen", sagt Johns. Offenbar wissen die Piraten genau, welches Schiff bewaffnet ist und welches nicht.

dapd